Die erste Welle: Literarische Coronatexte kommen im Herbst

Wie präsent das Coronavirus in den kommenden Monaten sein wird, weiß niemand zu sagen. Welche Auswirkungen die Pandemie und der damit einhergehende Lockdown nicht nur auf die Gesellschaft, sondern auch die literarische Produktion hatte, kann man aber schon bald zwischen Buchdeckeln nachlesen. Bereits im Herbst präsentiert Marlene Streeruwitz ihren „Covid-19-Roman“.

Auch auf der Bühne wird man dem Coronavirus begegnen, wenn auch erst in der übernächsten Saison: Für 2021/22 plant das Theater in der Josefstadt die Uraufführung einer Komödie von Daniel Kehlmann. Arbeitstitel: „Furcht und Elend des Virus“. Laut dem Autor, der jüngst bekannt gegeben hat, von New York nach Berlin zu ziehen, handelt es sich dabei um „kleine Szenen aus verschiedenen Milieus“, wie er gegenüber dem ORF-Kulturmontag verriet. Er habe während des Lockdowns versucht, aus der Mischung aus Ärger, Verwirrung, Wut und Schrecken „etwas Komisches zu machen“, sagte der Autor („Die Vermessung der Welt“, „Tyll“).

Der bereits laufend im Internet veröffentlichte Covid-19-Roman von Marlene Streeruwitz wird laut dem Verlag Bahoe Books unter dem Titel „So ist die Welt geworden“ bei der Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober) in gedruckter Form präsentiert. Buchpräsentationen und Lesungen mit der Autorin sind aktuell in Planung. Im Mai 2021 folgt im Zsolnay Verlag der Roman „Das Vierzehntage-Date“ von Rene Freund, in dem ein Tinder-Date wegen des Lockdowns ungeplant lang dauert.

Bereits diesen Herbst legt der Verlag Müry Salzmann einen Roman zum Thema der Stunde vor: „Virusalem“ von Helmut Neundlinger. „Wie fühlt es sich an, wenn über Nacht alles anders ist und das Ich zurückgeworfen auf sich selbst? Wie reagiert die Sprache auf solch einen Zustand? Verstummt sie? Bricht sie aus?“, heißt es dazu in der Ankündigung. Der Autor habe „nach der Schockstarre der ersten Tage“ begonnen, „jenseits der Geschwätzigkeit von Corona-Blogs“ an seinem neuen Roman zu arbeiten. „Als lyrischer Reporter sucht er die äußeren Entwicklungen in seinem Inneren auf: wie die Zeit ihre Form verliert, das Ich im eigenen Körper fremdelt, wie Enge und Leere, Verzweiflung und Panik die bekannten Fragwürdigkeiten zum Glühen bringen.“ Das Buch trägt den Untertitel „Gesang aus dem Bauch des Wals“.

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Nach dem Ende Mai bei Jung und Jung der „Seuchen-Klassiker“ „Die Pest in London“ von Daniel Defoe neu erschienen ist, hat indirekt auch das nächste Buch von Bettina Balaka mit Corona zu tun: Der literarische Essay über Eugenie Schwarzwald erscheint im November im Mandelbaum Verlag. „Es wird auch Bezüge zur Corona-Gegenwart geben, damals hatte man es ja mit der Spanischen Grippe zu tun“, so die Autorin zur APA.

Die vom Literaturhaus Graz initiierten „Corona-Tagebücher“, an denen Autoren wie Bettina Balaka, Birgit Birnbacher, Daniel Wisser, Julya Rabinowich oder Michael Stavaric mitgeschrieben haben, sind mit Ende Juli vorerst zu Ende gegangen. Laut Literaturhaus-Chef Klaus Kastberger ist ein Erscheinen in Buchform zwar angedacht, aber noch nicht fixiert. In jedem Fall soll es im Herbst dazu eine Veranstaltung geben. „Und wer weiß, vielleicht machen wir weiter...“


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