Rückbau statt Abriss: RLB-Turm in Innsbruck wird skelettiert

Ressourcenschonend und mit sozialem Mehrwert soll der Umbau der bisherigen Raiffeisen-Zentrale in der Adamgasse in Innsbruck erfolgen.

Der RLB-Vorstand und die „Raiqa“-Architekten in der bereits geräumten Schalterhalle. Aus dem Gebäude sollen nun so viele Bestandteile wie möglich einer Wiederverwertung zugeführt werden.
© RLB Tirol

Von Denise Daum

Innsbruck – Die Raiffeisen-Zentrale im Herzen von Innsbruck ist von Bauzäunen umschlossen, im Inneren ist es gespenstisch leer. Über 320 Mitarbeiter sind von der Adamgasse in das Ausweichquartier in der Steinbockallee übersiedelt.

Die Landesbank gestaltet ihre bisherige Zentrale bekanntlich völlig neu. Das „Raiqa“ soll in Zukunft eine hybride Nutzung erfahren, neben der Bank sollen auch ein Hotel, Restaurants, eine Sky-Bar sowie Räume für Veranstaltungen und Kunstprojekte untergebracht werden.

„Das Gebäude ist geräumt und wäre theoretisch bereit für den Abriss. Aber so leicht machen wir es uns nicht“, sagt RLB-Chef Reinhard Mayr. Die Devise heißt nachhaltiger Rückbau statt des ressourcenvernichtenden Einsatzes einer Abrissbirne.

Erstes Rückbauprojekt dieser Größenordnung in Westösterreich

Das bei dem Umbau angewandte Konzept des verwertungsorientierten Rückbaus läuft unter dem englischen Fachbegriff Social Urban Mining. Geleitet wird das Projekt von Thomas Romm vom Unternehmen BauKarussell, das sich auf nachhaltige Formen des Rückbaus spezialisiert hat. Der Wiener Architekt erklärt, welcher Vorgang hinter dem Fachbegriff steckt: Jedes einzelne Bauelement im Gebäude wird erfasst und so gut wie möglich einer Wiederverwertung zugeführt. Das Ganze soll aber nicht nur ressourcenschonend sein, sondern auch noch einen sozialen Mehrwert schaffen. Dazu werden sozialökonomische Betriebe wie Ho & Ruck, der Verein Emmaus, das OSPA (Osttiroler Sozialprojekte für Arbeitssuchende) sowie der gemeinnützige Verein ISSBA ins Boot geholt. „Die Grundidee ist, dass wir Arbeit gegen Wertstoffe tauschen“, bringt es Romm auf den Punkt.

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Es handelt sich dabei um das erste Rückbauprojekt dieser Größenordnung im Westen Österreichs. Zur Verdeutlichung der Dimension: Allein die Einbauschränke im Gebäude wiegen rund 100 Tonnen. „Wir haben diese Berechnung für alle Bestandteile angestellt, schon allein, damit wir abschätzen können, wie viel Arbeitskräfte benötigt werden.“

Rückbau erfolgt in drei Stufen

Teilweise werden die Bestandteile sogar im neuen Gebäude wiederverwendet: So finden sich Teile der Fassade als Bodenbelag wieder.

Der Rückbau erfolgt in drei Stufen: Zuerst werden alle Wertstoffe (Kabel, Metall, Holz) getrennt und einer Wiederverwertung zugeführt. Als Nächstes werden wiederverwertbare Bauteile vermittelt und ausgebaut. Schließlich werden sämtliche Schadstoffe entfrachtet. Das Rückbauprojekt dauert rund ein halbes Jahr. „Das alles ist zeitaufwändige Handarbeit“, betont Romm.

RLB-Chef Reinhard Mayr und sein Stellvertreter Thomas Wass sind vom Konzept überzeugt. „Das passt auch gut zu uns. Wir sehen uns in der Verantwortung, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen und zur Umsetzung der Klimaziele bezutragen“, betonen die beiden unisono.


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