Gebirgsbrigade und Bergrettung: „Unsere Mitglieder sind die idealen Rekruten“

Seit 2019 kooperieren Gebirgsbrigade und Bergrettung. Dabei geht es um mehr als reinen Erfahrungsaustausch.

Mit der Partnerschaft wollen die 6. Gebirgsbrigade und die Bergrettung ihre Kräfte bündeln.
© Bundesheer/Bergrettung

Von Amina Stainer

Absam – Im österreichischen Bundesheer rumort es gewaltig. Der 6. Gebirgsbrigade, mit Kommandositz in Absam, droht aufgrund von Einsparungsmaßnahmen die Auflösung. Auch deshalb wurde Anfang 2019 eine Partnerschaft mit der Bergrettung eingegangen. Mit gemeinsamen Fortbildungen sollen Erfahrungen zum Thema Bergeinsätze ausgetauscht werden. Durch die Zusammenarbeit erhofft sich die Brigade aber auch einen höheren Stellenwert in der Bevölkerung.

Gemeinsame Anknüpfungspunkte gibt es einige. So wird die Gebirgsbrigade darin geschult, Bergungen verwundeter Soldaten durchzuführen beziehungsweise zu verbessern. Dafür lernt die Bergrettung ihre Führungsabläufe zu optimieren. „Am Berg zählt nicht die Hierarchie, sondern die Kompetenz“, erklärt Manfred Prantl, Berufssoldat und zugleich Bezirksleiter der Bergrettung in Imst. Sehr wohl brauche es jemanden, der die Einsätze koordinieren kann.

Enormes Potenzial sieht der Landesleiter der Bergrettung Tirol, Hermann Spiegl, auch bei der jeweiligen Nachwuchsarbeit. „Nach der sechsmonatigen Ausbildung bei der Gebirgsbrigade sind die Rekruten fertige Alpinisten und könnten nahtlos bei der Bergrettung weitermachen. Umgekehrt sind unsere Mitglieder ideale Rekruten für die Brigade.“

Denn gerade junge Leute zieht es heutzutage eher in die Kletterhallen als hinauf in die Berge. Die nötigen alpinen Fähigkeiten würden im Einsatz oft fehlen, sagt der Kommandant der 6. Gebirgsbrigade, Johann Gaiswinkler. „Für uns ist es ein Problem, wenn die Anwärter nicht ans Gebirge gewöhnt sind. Wenn wir zuerst diese Fähigkeiten aufbauen müssen, geht das zulasten anderer Ausbildungen.“

Auch wenn der Mehrwert der Partnerschaft im Erfahrungsaustausch bestehe, spricht Brigadier Gaiswinkler offen über das fehlende Bewusstsein für den Nutzen der 6. Gebirgsbrigade. „Wir sind leider in der Situation, dass wir die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit brauchen.“ Mit der Partnerschaft soll die Gebirgsbrigade stärker in der Bevölkerung verankert werden.


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