Corona kappt Uni-Kapazitäten: Auflagen für Einreise, Hörsäle, Studentenleben

Jeder zweite Platz im Hörsaal muss Corona-bedingt leer bleiben. Tirols Hochschulen wollen ihr Studienangebot trotz der Pandemie nicht einschränken und tüfteln an Ersatzprogrammen. Befürchtet wird auch, dass Studenten ausbleiben könnten. Studentenvertreter warnen vor Qualitätsverlust.

Die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.
© Uni Innsbruck

Von Anita Heubacher und Elisa Mair

Innsbruck – Corona wird auch im nächsten Studienjahr den Uni-Alltag auf den Kopf stellen. An der Stammuniversität in Innsbruck ist laut Vizerektor Bernhard Fügenschuh klar, „dass die Hörsäle nur zu rund 40 Prozent gefüllt werden können“. Grund dafür sind die Abstandsregelungen im Hörsaal, aber auch im Eingangsbereich.

Die Universität befinde sich in einer starken Konkurrenzsituation mit anderen Bildungseinrichtungen, gibt Fügenschuh zu bedenken. Er setzt darauf, dass das Ausbildungsangebot trotz Corona so gut sein wird, dass die Studenten im Herbst nach Innsbruck kommen. „Bei den hohen Wohnungspreisen könnten sich jedoch einige überlegen, von der Ferne aus zu studieren oder woanders.“

28.000 Studenten sind an der Universität Innsbruck inskribiert, 20.000 sind prüfungsaktiv. Die Studenten sind ein großer Faktor für die Stadt. Zwar werden sie oft als Preistreiber am Wohnungsmarkt gesehen, sie tragen aber auch zur wirtschaftlichen Belebung der Stadt bei.

„Wir brauchen viel Zeit, Personal, Raum – und mehr Geld“

In der Corona-Hochphase im Frühjahr haben sich Studenten in Tirol nicht gerade beliebt gemacht. Schlagzeilen über Corona-Partys oder Fotos von sich sonnenden, auf der Innmauer sitzenden jungen Menschen machten keinen schlanken Fuß.

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„Zum Teil zu Unrecht“, wie Fügenschuh meint. „Wer sagt, dass das alles Studenten waren, die da am Innufer saßen?“ Jedenfalls falle die Innpromenade nicht in die Zuständigkeit der Universität.

„Wir brauchen viel Zeit, um so viel wie möglich vor Ort zu machen, viel Personal, viel Raum und mehr Geld. “ – Bernhard Fügenschuh (Vizerektor Universität Innsbruck)
© Andreas Rottensteiner / TT

Fügenschuh nützt die Zeit, wo die Universität noch leer ist, um mit den Fakultäten einen Plan auszuarbeiten, wie man die Universität ab Herbst unter Auflage der Corona-Regeln bespielen kann. Die Kapazitäten in den Hörsälen sind wegen der Abstandsregelungen gekappt. Jede Fakultät müsse nun entscheiden, welche Lehrveranstaltung unbedingt vor Ort im Hörsaal abgehalten werden müsse und welche man virtuell auslagern könne. „Manches lässt sich nicht auslagern, wie die Arbeit in den Laboren.“ Außerdem wolle das Rektorat, dass Erstsemestrigen Vorrang eingeräumt werde, wenn es um Präsenz-Lehrveranstaltungen gehe.

„Wir brauchen viel Zeit, um so viel wie möglich vor Ort zu machen, viel Personal, viel Raum und mehr Geld“, sagt Fügenschuh. Denn schon jetzt sei klar, dass Lehrveranstaltungen auch zugekauft werden müssten, wenn das Stammpersonal ausgelastet sei. Professoren werden Lehrveranstaltungen wohl doppelt halten müssen, denn im Hörsaal ist nur Platz für nicht einmal die Hälfte der sonst üblichen Studentenzahl.

Studenten keine einfache Klientel

Nicht nur im Hörsaal wird der Platz knapp. Das gilt auch für die Bibliotheken, für die Mensa. Es wird also Wartezeiten geben und dafür plant die Universität zusätzliche Räumlichkeiten ein. „Wir können die Studenten ja nicht im Regen oder Schnee stehen lassen.“

Studenten sind eine nicht ganz einfache Klientel in Corona-Zeiten. Sie kommen von überall her, haben viel Kontakt und gehen überall hin. Junge Menschen eben. Umso wichtiger sei es, die geltenden behördlichen Maßnahmen an den Universitäten genauestens einzuhalten, auch um sich rechtlich abzusichern. „Ein positiver Corona-Fall bedeutet, dass der gesamte Hörsaal samt Lehrendem in Quarantäne geschickt werden muss.“

Bis dato kaum behördliche Vorgaben für den Herbst

So viel wie möglich vor Ort will auch das Management Center Innsbruck, MCI, anbieten. „Wir müssen aber die Präsenzstudiengänge um 40 bis 50 Prozent reduzieren und online Ersatz schaffen.“ In Corona-Zeiten und auch schon davor hat das MCI Online-Studiengänge angeboten und wird dies auch heuer tun. Vorlesungen soll es auch an Wochenenden oder an Tagesrandzeiten geben. Die Hörsäle könnten allerdings nicht in der Dichte wie gewohnt ausgelastet werden, sagt Rektor Andreas Altmann. Wenn Räume knapp werden oder aufgrund der Auflagen zu klein sind, sieht Altmann Sonderanmietungen von Sälen vor.

Ob die Studenten mit oder ohne Maske unterrichtet werden, beschäftigt ihn weniger als die Tatsache, dass es bis dato kaum behördliche Vorgaben für den Herbst gibt. Der Rektor hat sich selbst beholfen. „Wir müssen planen.“

„Wir haben einen Bewerberrekord. Aber vor allem aus Drittstaaten spüren wir Zurückhaltung.“ – Andreas Altmann
 (Rektor MCI)
© Thomas Böhm

Mehr als 4000 Bewerber und damit einen neuen Rekord hat das MCI für das kommende Studienjahr für die 1190 Studienplätze zu verzeichnen. „Aber vor allem aus Drittstaaten spüren wir Zurückhaltung.“ Das liege an den unklaren Einreise- oder Quarantänebestimmungen. „Inder bekommen nicht einmal ein Visum.“ 40 Prozent der MCI-Studenten stammen nicht aus Österreich, sondern aus 80 verschiedenen Ländern. „Die müssen wissen, ob sie eine Wohnung brauchen oder nicht.“

Auch wenn man sich an der Universität sowie am MCI um so viel Normalität wie möglich bemüht – „ein Studentenleben, wie es vor der Krise war, wird es im bevorstehenden Semester trotzdem nicht geben“, zeigt sich Caroline Bachlechner, Vorsitzende der ÖH am MCI, besorgt. Für manche werde es etwa problematisch, wenn Lehrveranstaltungen vermehrt blockweise am Wochenende stattfinden. „Viele Studierende arbeiten samstags und sonntags und sind auf dieses Geld angewiesen.“ Auch glaubt Bachlechner, dass sich einige Kommilitonen angesichts der hohen Wohnungspreise das WG-Zimmer in Innsbruck sicher sparen werden und von zu Hause aus studieren. Damit falle aber ein wichtiger Teil des Studenten-Daseins weg – nämlich die Erfahrung, ohne Mama und Papa zurechtzukommen und das typische Studentenleben auszukosten.

Diejenigen, die ab Herbst wieder in die Stadt kommen, können jetzt zumindest planen, wie es weitergeht. Viele Lehrveranstaltungen dürfen wieder vor Ort besucht und der Stoff mit den Studienkollegen in Gruppen gelernt werden, um den Abend dann im ein oder anderen Studentenlokal – stets mit Abstand – ausklingen zu lassen.


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