UN-Bericht: Nordkorea hat „wahrscheinlich“ kleine Atomwaffen

Nordkorea hat einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge sein Atomwaffenprogramm trotz internationaler Sanktionen vorangetrieben. Mehrere Staaten seien zu der Schlussfolgerung gekommen, dass Nordkorea „wahrscheinlich sehr kleine nukleare Sprengköpfe entwickelt hat, die in ballistische Raketen passen“, hieß es in einem vertraulichen Bericht unabhängiger Experten.

Dieser lag der Nachrichtenagentur Reuters vor. Die Länder, die in dem Dokument nicht näher benannt werden, gehen davon aus, dass Nordkoreas vergangene sechs Atomtests wahrscheinlich zur Entwicklung der verkleinerten Sprengköpfe beigetragen hätten. Die abgeschottete Land hat seit September 2017 keinen offiziellen Atomtest mehr gestartet.

Im UN-Bericht wurde von einem Land zudem die Vermutung geäußert, dass Nordkorea die Verkleinerung der Sprengköpfe vorantreiben könnte, um möglicherweise Mehrfachsysteme zu entwickeln. Nordkorea reagierte zunächst nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme zu dem Bericht, der am Montag dem zuständigen Sanktionsausschuss des UN-Sicherheitsrates vorgelegt wurde. Machthaber Kim Jong-un hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass es keinen Krieg mehr geben werde, weil Nordkoreas Atomwaffen trotz militärischer Drohungen und unverminderten Drucks die Sicherheit und Zukunft des Landes garantierten.

Die Vereinten Nationen haben seit 2006 gegen Nordkorea wegen dessen Atom- und Raketenprogramms Sanktionen verhängt und diese immer wieder verschärft. Aber auch die drei Treffen von US-Präsident Donald Trump mit Kim seit 2018 konnten Nordkorea nicht zu einer Aufgabe seiner Atompläne bewegen. Zwar hatte Nordkorea - wie bei den Verhandlungen zugesagt - Tunnel auf seinem wichtigsten Atomtestgelände gesprengt. Die kommunistische Führung in Pjöngjang ließ aber keine Überprüfung durch unabhängige Experten zu.

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Dem UN-Bericht zufolge gibt es keine Anzeichen für einen umfassenden Abriss. Ein Land wird mit der Vermutung zitiert, dass Nordkorea wohl innerhalb von drei Monaten die für einen Atomtest nötige Infrastruktur wieder aufbauen könne.

Die UN-Experten werfen Nordkorea zudem vor, zur Finanzierung seiner Rüstungspläne durch illegale Kohleexporte auf dem Seeweg gegen die Sanktionen zu verstoßen. Des Weiteren habe sich das Land mit Cyberangriffen auf Banken und Kryptowährungsbörsen etwa zwei Milliarden Dollar verschafft und dürfte wohl auch weiter an solchen Online-Attacken festhalten.


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