Moretti war live dabei: Salzburger „Jedermann“ im Innsbrucker Dom übertragen

Gastgeber Bischof Hermann Glettler bezeichnete das Stück als „intensive, faszinierende Predigt“, mahnte aber davor, den Dom als „Eventlocation“ zu begreifen. Am Donnerstag, Freitag und Samstag ist der „Jedermann" nochmal zu sehen.

In stimmungsvollem Dom-Ambiente wird der „Jedermann" auf Leinwand übertragen.
© Innsbruck Tourismus

Innsbruck – Während in Salzburg der „Jedermann“ vor dem Dom zu sehen ist, wurde in Innsbruck das Stück gleich direkt in den Dom geholt. Im 100. Jahr der Salzburger Festspiele und dem Jahr, in dem der heimische Paradeschauspieler Tobias Moretti zum letzten Mal in der Hauptrolle auf der Bühne steht, hat sich Innsbruck Tourismus diesen besonderen Clou einfallen lassen.

Hauptdarsteller Tobias Moretti mit Gattin Julia vor der Vorstellung am Dienstag.
© Innsbruck Tourismus

Für Darsteller Moretti selbst ist das ein „großer Schritt“, zumal dadurch eine „direkte Konfrontation“ zwischen Stück und Altarraum entsteht. „Dort, wo normalerweise das Allerheiligste ist, steht nun eine Leinwand“, sagte er am Dienstag vor der Übertragung.

Gastgeber Bischof Hermann Glettler bezeichnete das Stück als „intensive, faszinierende Predigt“. Und weil es nach wie vor so häufig gespielt werde, dachte er sich: „Warum nicht damit in die Kirche gehen?“. Er mahnte jedoch gleichzeitig davor, den Dom als „Eventlocation“ zu begreifen. Eine Kirche sei immer noch „ein sakraler Raum. Ein Freiraum für den Menschen, wo er nicht funktionieren muss, wo er einfach sein darf“.

Projekt zum 100-Jahr-Jubiläum

Die Übertragung der Generalprobe wurde im Dom stimmungsvoll inszeniert. Für die Vorstellung wurde der Kirchenraum in sanftes, blaues Licht getaucht – das Altarkreuz hinter der Leinwand war jedoch deutlich beleuchtet. Das dadurch geschaffene Ambiente in Zusammenspiel mit Jedermanns Ringen mit dem Tod erzeugte eine gelungene Atmosphäre.

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Ob der „Jedermann“ auch im nächsten Jahr wieder in den Dom St. Jakob einziehen wird, war noch unklar. Die Veranstalter, Karl Gostner und Karin Seiler von Innsbruck Tourismus, begreifen die Übertragung mehr als „geschlossenes Projekt zum 100-Jahr-Jubiläum“ der Salzburger Festspiele und als Wiederbelebung der „Achse zwischen den beiden Kulturstädten“, da es in den 1930er als auch in den 1950er-Jahren Bestrebungen gab, „dieses kulturelle Highlight auch in Innsbruck zu etablieren“, hieß es.

Seit letzten Sonntag ist der „Jedermann“ in Innsbruck zu sehen, zwei Vorstellungen in dieser Besetzung folgen noch am Donnerstag und Freitag. Am Samstag wird der „Jedermann“ aus dem Jahr 2004 gezeigt, mit Peter Simonischek in der Hauptrolle. Die Vorstellungen sind fast ausverkauft, aufgrund der großen Nachfrage ermöglichen die Veranstalter aber in Abstimmung mit den Behörden 15 zusätzliche Tickets für die letzten drei Übertragungen. Infos zum Ticketverkauf gibt's HIER. (APA/TT.com)

Dom-Hausherr Bischof Hermann Glettler (re.) mit Karin Seiler (Geschäftsführung Innsbruck Tourismus) und Dr. Karl Gostner (Obmann Innsbruck Tourismus).
© Innsbruck Tourismus

Im Jubiläumsjahr: Moretti letztmalig in der Hauptrolle

Seit 1920 wird der „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen aufgeführt. Burgschauspielerin Caroline Peters übernimmt im heurigen Jubiläumsjahr die Rolle der Buhlschaft. Peter Lohmeyer spielt den Tod, für die Inszenierung zeichnet Regisseur Michael Sturminger verantwortlich. Zum letzten Mal wird Tobias Moretti den Jedermann geben. Sein Bruder Gregor Bloéb ist in der Doppelrolle Jedermanns guter Gesell und Teufel zu sehen. Die Jedermann-Aufführungen finden also unter prominenter Tiroler Beteiligung statt. Dass Max Reinhardt den Jedermann ursprünglich am Innsbrucker Domplatz und nicht in Salzburg aufführen wollte, kann man wohl getrost als Legende bezeichnen. Der Tatsache entspricht aber, dass es sowohl in den 30er als auch in den 50er-Jahren Bestrebungen gab, das kulturelle Highlight auch in Innsbruck zu etablieren.


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