Kein Verständnis bei Wolfgang Thiem: „Raubt Kitzbühel die Chance auf Nadal“

Kein Rafael Nadal in Kitzbühel: Trotz US-Open-Absage darf der Tennis-Star aufgrund einer Sonderregel nicht bei den Generali Open aufschlagen.

Keine US-Open in New York und auch keine Generali Open in Kitzbühel für Rafael Nadal. Weil das Grand-Slam-Turnier sich mit einer Sonderregel absicherte, bleibt der Spanier beiden Turnieren fern.
© AFP

Von Roman Stelzl

Kitzbühel – Es klingt wahrlich skurril: Will Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem seinen Titel bei den Generali Open in Kitzbühel verteidigen, kann er sich nicht einmal kurzfristig ins Auto setzen und 380 Kilometer von seiner Heimatgemeinde Lichtenwörth anreisen. Thiem muss einen Umweg von über 13.000 Kilometern in die USA in Kauf nehmen, um bei seinem Heimturnier (7.–13. September) aufzuschlagen.

Der Grund: eine Sonderregel für den Grand Slam in New York. Sagt nämlich einer der Top-Ten-Spieler ab, darf er während der beiden Turnierwochen nirgendwo anders antreten. Ohne einen Antritt bei den zeitgleichen US Open (31. August bis 13. September) darf der 26-jährige Thiem also nicht in Kitzbühel aufschlagen. Auf der ATP-Tour betrifft das nur Kitzbühel. Heißt: Will der Weltranglisten-Dritte Thiem in der Gamsstadt aufschlagen, muss er (trotz etwaiger Sicherheitsbedenken) zu den US Open und dort früh in Woche eins ausscheiden. Doch das liegt Thiem weit ferner als die Titeljagd.

Vor allem nach der Absag­e von Titelverteidiger Rafae­l Nadal. Der Spanier sagte am Dienstag wegen der Corona-­Pandemie ab. „Ich werde meinem Herzen folgen. Momentan möchte ich lieber nicht reisen“, meinte der 19-fache Grand-Slam-Sieger und sprach von einem „barbarischen Turnierkalender“. Der 34-jährige Weltranglisten-Zweite darf aufgrund der Absage nicht in Tirol antreten – auch wenn das darauffolgende Masters in Madrid (ab 13.9.) abgesagt wurde.

Unverständnis zur US-Open-Sonderregelung äußert Wolfgang Thiem, Trainer und Vater von Dominic Thiem. „Man raubt Kitzbühel die Chance auf Nadal, das verstehe ich nicht. Da will man einerseits die wenigen Turniere stärken, und dann macht man so eine Regel, die Kitzbühel schon die Möglichkeit nimmt, überhaupt bei Nadal anzufragen“, meinte Thiem.

Antonitsch: "Kitz-Feld wird so oder so stark"

„Es ist ein Schutz, den die US Open heuer drinnen haben wollten: dass die Spieler nicht zeitgleich woanders antreten. Nadal ist deshalb kein Thema“, erklärte dazu auch Generali-Open-Turnierdirektor Alexander Antonitsch. Das Loch im Kalender wegen der Madrid-Absage soll mit dem Vorverlegen des Masters in Rom (derzeit ab 20.9.) und einer Woche mehr „Pause“ vor den French Open (ab 27.9.) gestopft werden.

„Für uns ändert sich nicht wirklich was mit der Madrid-Absage“, ergänzt Antonitsch, „Wenn Kitzbühel beginnt, sind nur noch zwölf Spieler in New York (2. Hälfte Viertel­finale, Anm). Das Feld wird so oder so stark. Die Spieler wollen spielen, wir müssen flexibel bleiben.“

Was die US Open betrifft, hat der an Nummer zwei gesetzte Dominic Thiem übrigens weder Flug noch Unterkunft gebucht. „Wir warten ab. Bevor nichts bestätigt ist, gibt es nichts zu planen“, erklärt Wolfgang Thiem. „Aber es gibt keine Sicherheitsbedenken bei uns. Wenn das Turnier stattfindet, dann wissen sie, was sie tun.“

Am 15. August soll es zur Vorbereitung nach New York gehen, wo Thiem neben Novak Djokovic Favorit auf den Titel ist. Das Masters in Rom lässt Thiem je nach Termin eventuell aus, damit mehr Vorbereitungszeit auf die French Open ist. Doch auch hier heißt es spontan bleiben – und hoffen, dass alles passt.


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