„Alex Rider“-Regisseur Prochaska: „War wie ein Homerun“

Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska („Das Boot“, „Das finstere Tal“) hat für Sony Pictures Television die Serie „Alex Rider“ entwickelt. Nach der „emotional belastenden“ Arbeit an „Das Boot“ suchte Prochaska nach etwas Leichterem, erzählte er im Interview mit der APA. Das „mutige“ Konzept zwischen Coming-of-Age- und Spionagegeschichte reizte ihn.

Die Serie basiert auf der erfolgreichen Romanreihe des britischen Autors Anthony Horowitz. Im Mittelpunkt steht der Londoner Schüler Alex, der nach dem Tod seines Onkels, eines Agenten, vom britischen Geheimdienst MI6 angeworben wird. Die erste Staffel umfasst acht Episoden, bei den ersten vier davon hat Prochaska Regie geführt. Die Titelrolle spielt der britische Schauspieler Otto Farrant, auch Stephen Dillane („Game of Thrones“) und Vicky McClure („Line of Duty“) gehören zum Cast. „Alex Rider“ startete im Juni in England, ab Freitag ist die Serie auch in Österreich bei Amazon Prime Video abrufbar.

APA: Sie haben die Serie als Executive Producer aufgesetzt und bei den ersten vier Folgen Regie geführt. Wie ist es dazu gekommen?

Prochaska: Es war das erste Projekt, das von meinem englischen Agenten gekommen ist. Es war wie ein Homerun: Mich hat es interessiert, mit der Produktion hat es funktioniert und Sony hat Ja gesagt. Ich habe nach „Das Boot“ und „Spuren des Bösen“ nach etwas gesucht, das ein bisschen leichter im Tonfall ist. „Das Boot“ war emotional ziemlich belastend, „Alex Rider“ ist für mich komplettes Neuland gewesen.

APA: Was genau hat Sie an „Alex Rider“ gereizt?

Prochaska: Ich kannte die Buchserie nicht. Aber das Konzept - überspitzt formuliert - Coming of Age meets „Jason Bourne“ fand ich sehr mutig. Ich habe mir gedacht, das ist etwas, was ich noch nie gemacht habe, und mit einem englischen Team und einem englischen Cast in London zu drehen hat mich auch sehr gereizt. Es hat mich gefreut, dass sie einen Österreicher gefragt haben, so etwas total Englisches zu realisieren.

APA: Wie stark waren Sie in die Entwicklung eingebunden?

Prochaska: Als ich an Bord gekommen bin, gab es das Drehbuch für die Pilotfolge und einen Staffelbogen. Meine Aufgabe war, am Casting mitzuwirken und mir zu überlegen, wie das Ganze visuell ausschauen soll. Beim Wort Produzieren denkt man automatisch an Geld, aber in dem Fall ist der Titel Executive Producer dem kreativen Einfluss auf die Serie geschuldet.

APA: 2006 kam ein Film über den ersten Teil der Romanserie ins Kino, der allerdings ziemlich gefloppt ist - hat Ihnen das zu denken gegeben?

Prochaska: Allen Beteiligten war von Anfang an klar, dass das Projekt auf keinen Fall so sein soll wie der Film. Ich habe mir nur den Trailer angeschaut und mir gedacht, das ist not my cup of tea. Es war ein gutes Beispiel dafür, wie es nicht sein soll. Die Figuren wurden nicht ernst genommen, es war alles ziemlich over the top. Anthony Horowitz hat das Drehbuch damals selbst geschrieben und war frustriert von dem Prozess. Anthony war diesmal auch als Executive Producer dabei. Er hat mir irgendwann einmal im Vertrauen gesagt, dass er nicht geglaubt hat, dass es funktioniert, dieses Material für ein älteres Publikum aufzubereiten. Ich glaube, er ist sehr glücklich damit.

APA: Wo liegt der Unterschied, wenn man für eine große internationale Produktionsfirma dreht statt für den heimischen Markt?

Prochaska: Es ist viel reglementierter als bei uns: Das Team ist gefühlt doppelt so groß und dadurch unflexibler. Je mehr Leute beteiligt sind, desto schleppender läuft der ganze Prozess. Es war alles sehr in Ordnung, aber man lernt schon auch zu schätzen, wie bei uns gearbeitet wird. Das Budget betrug zwei Millionen Pfund pro Folge, was im ersten Moment fett klingt, aber wenn man in London dreht und mit einem Team dieser Größe, dann schrumpft es auch schnell.

APA: Wird es eine zweite Staffel geben?

Prochaska: Für die zweite Staffel hat es zwei Wochen, nachdem die Serie on air gegangen ist, grünes Licht gegeben. Ich werde aber nicht dabei sein. Wegen der Quarantäne-Bestimmungen hätte ich ein halbes Jahr durchgehend in England bleiben müssen. Außerdem muss man bei einer zweiten Staffel aufpassen, dass man sich nicht wiederholt, deshalb suche ich mir lieber neues Material.

APA: Hat Ihnen „Alex Rider“ Lust gemacht, mehr international zu arbeiten?

Prochaska: Wenn man nach draußen geht, lernt man neue Leute kennen, kann in anderen Sprachen arbeiten, in anderen Ländern. Das ist schon alles sehr aufregend. Das heißt aber nicht, dass ich nur noch international arbeiten will. Im Moment ist es auch relativ kompliziert mit den Reiseeinschränkungen. Für mich ist es gut, drei Standbeine zu haben: Österreich, Deutschland und jetzt auch den internationalen Markt.

APA: Mit „Alex Rider“ haben Sie wieder einmal das Genre gewechselt. Was möchten sie auf jeden Fall noch angehen?

Prochaska: Das Projekt, an dem ich gerade arbeite (ein Zweiteiler mit dem Arbeitstitel „Il Pastore“ für Servus TV und ZDF, Anm.), ist auch Neuland für mich. Es führt mich in die Welt des Weins und in die Welt der Camorra in Südtirol. Ich freue mich sehr darauf, wieder mit Tobias (Moretti, Anm.) zu arbeiten. Es gibt noch viele Dinge zu entdecken. Mein erster Kurzfilm war ein Science-Fiction-Film, in diese Richtung würde ich gerne wieder denken. Wenn es eine gute Geschichte ist, hätte ich auch nichts dagegen, wieder einmal einen Western zu drehen.

(Das Gespräch führte Vera Bandion/APA)


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