Mehr als 100 Tote nach Explosionskatastrophe in Beirut

Am Tag nach den verheerenden Explosionen im Hafen von Beirut ist die Zahl der Toten am Mittwoch auf mindestens 113 gestiegen. Mindestens 4.000 Menschen seien verletzt worden, sagte Gesundheitsminister Hamad Hassan. Dutzende Menschen würden noch immer vermisst, die Suche nach Überlebenden dauere an. Als Unglücksursache wird ohne geeignete Vorsichtsmaßnahmen gelagertes Ammoniumnitrat vermutet.

Durch die zwei Explosionen am Dienstag war nach Angaben der libanesischen Behörden halb Beirut zerstört oder zumindest beschädigt worden. Nach Regierungsangaben waren 2.750 Tonnen gelagertes Ammoniumnitrat explodiert, das vor Jahren beschlagnahmt worden war. Die Substanz kann für Düngemittel oder zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden.

Am Mittwoch rief die Regierung einen zweiwöchigen Ausnahmezustand in Beirut aus. Wie Informationsminister Manal Abdel Samad ankündigte, wurde die Verantwortung für die Sicherheit in der Stadt mit sofortiger Wirkung der Armee übertragen. Die Regierung rief die Militärführung auf, die für das Unglück verantwortlichen Beamten unter Hausarrest zu stellen. Die Maßnahme müsse für alle gelten, die für die Lagerung des Ammoniumnitrats im Hafen von Beirut zuständig gewesen seien, hieß es.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, nach der Explosion würden am Mittwoch noch mindestens 100 Personen vermisst. „Es liegen noch immer viele Menschen unter den Trümmern“, sagte ein Offizieller. „Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet. Ich bin sprachlos“, fasste der Bürgermeister von Beirut, Jamal Itani, die Lage zusammen nachdem er sich am Mittwoch ein Bild von den Folgen der Explosion gemacht hatte. „Das ist eine Katastrophe für Beirut und den Libanon.“ Das Rote Kreuz richtete nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium Leichenhallen ein, weil die Krankenhäuser überfüllt seien.

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Die Schäden an Gebäuden betreffen nach Angaben der Behörden fast die halbe Stadt. Bis zu 300.000 Bewohner der libanesischen Hauptstadt seien durch die Zerstörungen obdachlos geworden, sagte Gouverneur Marwan Abud am Mittwoch. „Ich denke, es gibt zwischen 250.000 und 300.000 Menschen, die jetzt ohne Zuhause sind“, sagte er und fügte hinzu: „Fast die Hälfte von Beirut ist zerstört oder beschädigt.“ Die finanzielle Höhe der Schäden schätzte Abud auf insgesamt drei bis fünf Milliarden Dollar. Ingenieure und technische Experten würden noch eine offizielle Bewertung der Schäden vornehmen.

Experten warnten vor den Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes, die seit Monaten ohnehin unter einer der schwersten Krisen in der Geschichte des Libanons leidet. „Diese Explosion ist der Sargnagel für die Wirtschaft des Libanons und für das Land im Allgemeinen“, sagte der Analyst Makram Rabah. Die Menschen könnten ihre Häuser nicht wieder aufbauen, weil ihnen das Geld fehle. Der Hafen in Beirut sei zudem die Lebensader des Landes. Da dort unter anderem Getreidesilos zerstört worden sei, müsste das Land jetzt mit Hunger und Engpässen bei Brot rechnen.

Die Explosionen hatten am Dienstag Beirut und das Umland erschüttert. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört. Aufnahmen zeigten ein Bild der Verwüstung. Auch die angrenzenden Wohngebiete wurden stark beschädigt. Auf den Straßen standen zahlreiche zerstörte Autos. „Das ist grauenhaft, das ist nicht normal“, sagte ein Mann, der in der Früh Scherben vor seiner Wohnung zusammenkehrte.

Betroffen von der Explosion sind neben dem Hafen vor allem die beliebtesten Ausgehviertel, für die Beirut bekannt ist. Sogar in Orten rund 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt gingen Scheiben zu Bruch. Beirut, in dessen Großraum schätzungsweise bis zu 2,4 Millionen Menschen leben, wurde zur „Katastrophen-Stadt“ erklärt. Über das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen der EU werden mehr als 100 Katastrophenhelfer in die libanesische Hauptstadt Beirut geschickt.


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