75 Jahre Hiroshima: Japan gedenkt Opfer der Atombomben

Mit einer Schweigeminute und einem Appell zur Abschaffung aller Atomwaffen haben die Menschen im japanischen Hiroshima der Opfer des Atombombenabwurfs vor 75 Jahren gedacht. Bei einer wegen der Corona-Pandemie drastisch verkleinerten Gedenkzeremonie legten die Teilnehmer am Donnerstag um 8.15 Uhr (Ortszeit) zum Klang einer bronzenen Friedensglocke bei sommerlicher Hitze eine Gedenkminute ein.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der US-Bomber Enola Gay damals die erste im Krieg eingesetzte Atombombe mit dem Namen „Little Boy“ über der Stadt im Westen des Landes abgeworfen. Schätzungsweise 140.000 Menschen starben, mehr als die Hälfte sofort. Drei Tage nach Hiroshima warfen die Amerikaner eine zweite Atombombe über Nagasaki ab. Kurz danach kapitulierte das japanische Kaiserreich. Hiroshima ist heute ein weltweites Symbol für Krieg - und für Frieden.

Der Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Matsui, rief die Welt auf, sich gegen jegliche Bedrohungen für die Menschheit - seien es Atomwaffen oder auch die Corona-Pandemie - zusammenzuschließen. Die zivile Gesellschaft müsse „egozentrischen Nationalismus ablehnen“ und sich gemeinsam gegen alle Bedrohungen zusammentun, sagte Matsui in seiner Friedens-Deklaration.

Hiroshimas Bürgermeister rief die Regierung seines Landes in seiner Rede auf, einem UNO-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen beizutreten. Japan müsse „seine Rolle als Vermittler“ zwischen Atomwaffenstaaten und solchen, die keine Atomwaffen besitzen, verstärken. Vor drei Jahren hatten sich zwei Drittel der Mitgliedsländer der Vereinten Nation auf diesen Vertrag verständigt. Bisher haben ihn jedoch erst 32 Staaten ratifiziert. Damit er in Kraft treten kann, müssen es 50 Staaten sein. Atommächte wie die USA, Großbritannien, China, Frankreich und Russland haben den Vertrag jedoch nicht unterzeichnet.

Regierungschef Shinzo Abe sagte in seiner Rede in Hiroshima, Japan habe als einziges Land, das Opfer von Atombomben im Krieg wurde, die Pflicht, auf eine Abschaffung von Nuklearwaffen weiter hin zu arbeiten. Japan werde alles tun, um eine Welt in dauerhaftem Frieden und frei von Atomwaffen zu realisieren.

UNO-Generalsekretär António Guterres warnte in einer Video-Botschaft vor einem erneuten atomaren Wettrüsten. „Spaltung, Misstrauen und mangelnder Dialog drohen die Welt zu einem ungezügelten strategischen Nuklearwettbewerb zurückzubringen“, sagte Guterres. Er wollte selbst an der Gedenkzeremonie in Hiroshima teilnehmen, musste aber wegen der Corona-Pandemie absagen. Das Netz aus Rüstungskontrolle, Transparenz und vertrauensbildenden Instrumenten, das während und in der Folge des Kalten Krieges geschaffen worden sei, „franst aus“.

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) rief zur nuklearen Abrüstung auf. „Gerade in diesen angespannten Zeiten müssen wir die nukleare Abrüstung vorantreiben“, erklärte Schallenberg in einer Stellungnahme, in der er Österreichs Beitrag bei diesen Bemühungen unterstrich. Das Streben nach einer nuklearwaffenfreien Welt sei eine außenpolitische Priorität Österreichs. „Österreich leistet hier auf vielerlei Weise - unter anderem durch die Schaffung von guten Verhandlungsbedingungen für die amerikanisch-russischen Abrüstungsgespräche in Wien - seinen Beitrag“, so Schallenberg.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen stimmte in den Tenor Schallenbergs ein: „Im Namen der Republik Österreich, möchte ich meine Solidarität zum Ausdruck bringen mit den Opfern und ihren Nachkommen. Die internationale Gemeinschaft und die Zivilgesellschaft haben gleichermaßen eine Verpflichtung sich der Bedrohung, die von Atomwaffen ausgeht, bewusst zu bleiben. Bundeskanzler Sebastian Kurz appellierte indes an die Verantwortung aller Staaten, derartige Geschehnisse in Zukunft zu vermeiden und betonte Österreichs Position für eine atomwaffenfreie Welt.


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