Biden stellt Weichen für die erste Frau an der Spitze der USA

Gerüchtehalber wird Joe Biden in den kommenden Tagen eine Afroamerikanerin als seine Vize-Kandidatin präsentieren.

Der Demokrat Joe Biden liegt in allen Umfragen klar vor Präsident Donald Trump.
© AFP

Von Floo Weißmann

Washington –Die erste Frau an der Spitze der Vereinigten Staaten heißt womöglich Kamala Harris, Susan Rice oder Karen Bass. Oder auch anders. Kommende Woche jedenfalls will der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, nun endlich seine Vize-Kandidatin vorstellen. Nach Ansicht vieler Insider und Beobachter stellt er damit zugleich die Weichen für die Zukunft im Weißen Haus.

Biden wäre, sofern er die Wahl im November gewinnt, bei seiner Amtseinführung im Jänner 78 Jahre alt. Er hat bereits angekündigt, nur für eine Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Sein Vize wird deshalb als logische Präsidentschaftsbewerberin in vier Jahren gehandelt.

Susan Rice ist eine erfahrene Außenpolitikerin.
© AFP

Außerdem muss die Vizepräsidentin übernehmen, falls der Präsident ausfällt. Angesichts von Bidens Alter schwingt bei vielen diese Möglichkeit heuer bewusster mit als in vergangenen Jahren.

Derzeit liegt Biden in Umfragen weit vor Amtsinhaber Donald Trump. Das verschafft seiner Vize-­Entscheidung noch größere Aufmerksamkeit. US-Medien berichten aus Bidens Umfeld, dass der Kreis der Favoritinnen stark geschrumpft sei.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Monatelang waren mehr als ein Dutzend Namen im Umlauf. Bidens Team interviewte Kandidatinnen, durchleuchtete ihre Hintergründe, gab interne Umfragen in Auftrag, analysierte Stärken und Schwächen, wimmelte Fürsprecher ab – und all das unter den Bedingungen der Pandemie.

Von Anfang an gab es in der Partei Stimmen, die forderten, der Job müsse an eine Afroamerikanerin gehen. Minderheiten und Frauen gehören zu den wichtigsten Wählergruppen der Demokraten. Die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt, auf die Trump mit Ignoranz und teils offen feindlich reagiert hat, könnten nun die Parameter endgültig zugunsten einer Schwarzen verschoben haben.

Kamala Harris fiel als beißende Anklägerin auf.
© TOM WILLIAMS

Gerüchtehalber waren zuletzt nur noch zwei bis drei Frauen in der engeren Wahl: Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien, genießt den relativ höchsten Bekanntheitsgrad. Sie war zuvor Justizministerin von Kalifornien und gilt als beißende und disziplinierte Anklägerin, was ihr in einer TV-Debatte gegen Vizepräsident Mike Pence zugutekommen könnte. Allerdings hat Harris ihr Talent im Vorwahlkampf auch gegen Biden eingesetzt, und ihre Bilanz in Kalifornien ist unter Liberalen sehr umstritten.

Susan Rice war UNO-Botschafterin und Sicherheitsberaterin unter Präsident Barack Obama. Ihr Büro lag nur ein paar Schritte von der Tür des damaligen Vizepräsidenten Biden entfernt. Rice könnte ihm die Außenpolitik abnehmen, während er seine innenpolitische Agenda abarbeitet. Sie hat sich aber noch nie einer Wahl gestellt, gilt den Republikanern als Feindbild und soll sich auch intern durch eine barsche Art Feinde gemacht haben.

Karen Bass gilt als parteiinterne Integrationsfigur.
© POOL

Als dritte mutmaßliche Finalistin war zuletzt Karen Bass aufgetaucht, Kongressabgeordnete aus Kalifornien. Ihre Unterstützer preisen sie als fleißige Sacharbeiterin und parteiinterne Integrationsfigur, die den Job nicht als Sprungbrett für 2024 angehen würde. Doch das plötzliche Rampenlicht förderte frühere Lobpreisungen für Scientology und Fidel Castro zutage, was ihren Stern womöglich sinken ließ.

Natürlich könnte Biden auch alle überraschen und letztlich doch eine andere Vize-Kandidatin wählen. Einige der frühen Mitfavoritinnen wie Senatorin Elizabeth Warren werden inzwischen aber eher für andere Rollen in einer möglichen Biden-Administration gehandelt.

Noch ist nicht einmal bekannt, wie Biden seinen „running mate“ präsentiert. Normalerweise gibt es zu diesem Zweck einen pompösen gemeinsamen Auftritt. Doch angesichts der Pandemie wird nun spekuliert, dass die Weichen für die erste Frau an der Spitze der USA vielleicht nur per Videokonferenz gestellt werden.


Kommentieren


Schlagworte