Sensation zwischen Pilzen: Leser entdeckten Baumschläfer

TT-Leser begaben sich auf die Suche nach dem Baumschläfer, einer hatte Glück.

Ivica Bogovic hat einen Baumschläfer beim Schwammerlsuchen entdeckt.
© Bogovic

Von Matthias Reichle

Gries im Sellrain – Der „Jagdinstinkt“ der TT-Leser war geweckt. Nach einem Artikel über den seltenen Baumschläfer beteiligten sich gleich mehrere Personen an der Suche nach dem possierlichen Waldbewohner, der ab Herbst Gegenstand eines größeren länder­übergreifenden Forschungsprojekts wird. Wissenschafter wollen das scheue, nachtaktive Tierchen im Ötztal und Pfunds aufspüren.

„Wir bekamen mehrere Rückmeldungen“, betont Koordinatorin des Arbeitskreises „Natura Raetica“ Ulli Totschnig, die über die Reaktionen verblüfft war. Zehn Leser schickten Fotos und Nachrichten an ihr E-Mail-Postfach.

Unter anderem Bilder des Siebenschläfers, der weniger selten als sein Verwandter ist, aber auch ein Foto vom so genannten Gartenschläfer aus Scharnitz. Ein Leser hatte dann aber den richtigen Riecher: Er fand bei sich einen Schnappschuss des Baumschläfers, der seit Jahrzehnten in Tirol nicht mehr nachgewiesen wurde.

Er habe ihn vor rund einem Jahr beim Schwammerlsuchen in Gries im Sellrain entdeckt und mit dem Handy fotografiert, erklärt Ivica Bogovic. Das Tier sei so groß wie eine Maus und ist auf dem Steig gelegen. Als er den Artikel las, habe er sich daran erinnert.

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Andere TT-Leser teilten spannende Erinnerungen. So schrieb einer, dass er das Tierchen in den 50er-Jahren in Kienberg, in der Pitztaler Gemeinde Jerzens, gesehen haben will. „Es versteckte sich im Gebälk der Holzhäuser und beim Schleudern kam es immer wieder vor, dass – wenn man die Schleuder zum Ausrinnen kippte und einen Kübel für den Resthonig unterstellte – man nach Tagen, bei Rückkehr ins Bienenhaus, einen „ertrunkenen Siebenschläfer oder Baumschläfer im Resthonig fand“.

Ohne Bilder sei schwer zu sagen, ob es sich um einen Baumschläfer oder einen seiner nahen Verwandten gehandelt habe, betont Wissenschafterin Christine Resch vom Institut apodemus, das den Baumschläfer ab Herbst untersucht. Der Gartenschläfer habe eine bräunlichere Farbe und ein schwarzes Augenband, der Baumschläfer einen buschigen Schwanz, der Siebenschläfer sei hingegen wesentlich größer, erklärt sie die Unterschiede zwischen den Tieren.


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