Libanesischer Ministerpräsident will Neuwahlen beantragen

Angesichts der regierungskritischen Proteste nach der Explosionskatastrophe von Beirut hat der libanesische Regierungschef Hassan Diab vorgezogene Neuwahlen angekündigt. Nur so könne die Krise in dem Land überwunden werden, so Diab. Er werde seinem Kabinett daher am Montag Neuwahlen vorschlagen. Eine Verantwortung für die wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes wies er im TV zurück.

Wütende Demonstranten stürmten unterdessen nach dem Außen- auch das Energieministerium und das Handelsministerium in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Fernsehbilder zeigten am Samstagabend, wie wütende Menschen in die Gebäude eindrangen. Zuvor hatten Hunderte von ehemaligen Militärs angeführte Demonstranten bereits das Außenministerium besetzt und zum „Hauptquartier der Revolution“ ausgerufen.

Auch der Sitz des libanesischen Bankenverbandes wurde gestürmt. Wütende Demonstranten legten Feuer, bevor sie von der Armee zurückgedrängt und die Flammen gelöscht wurden.

Am Rande der Demonstrationen kam nach Polizeiangaben ein Polizist ums Leben. Der Beamte habe mehreren in einem Hotel festsitzenden Menschen geholfen, als er aus einer Menschenmenge angegriffen worden und tödlich gestürzt sei, erklärte die Polizei im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Tausende Menschen waren am Nachmittag durch die Straßen von Beirut gezogen. Die Proteste gegen die Regierung waren am Samstag vier Tage nach der verheerenden Explosion im Hafen Beiruts in Gewalt umgeschlagen. Mehr als 200 Menschen wurden dabei verletzt, wie das libanesische Rote Kreuz mitteilte. Einige Demonstranten versuchten Absperrungen zum Parlament zu durchbrechen und warfen Steine.

Die Sicherheitskräfte wiederum setzten massiv Tränengas ein, um die Demonstranten zu vertreiben. Auf TV-Bildern waren Feuer im Zentrum Beiruts zu sehen. Augenzeugen berichteten, sie hätten Schüsse gehört.

Die Proteste richten sich gegen die Regierung und die politische Elite, die von vielen Libanesen für die verheerende Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut am Dienstag verantwortlich gemacht wird. Dabei waren mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 6.000 verletzt worden, Hunderttausende wurden obdachlos.


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