Präsidentenwahl im autoritären Weißrussland

Im autoritär geführten Weißrussland (Belarus) hat im Schatten zahlreicher Festnahmen die Präsidentenwahl begonnen. Rund 6,8 Millionen Menschen können seit 7.00 Uhr MESZ in den knapp 5.800 Wahllokalen im ganzen Land abstimmen. Für Staatschef Alexander Lukaschenko, der am Vormittag wählen ging, könnte die Wahl nach mehr als einem Vierteljahrhundert im Amt entscheidend werden.

Die Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja entwickelte sich nämlich in den vergangenen Wochen zur Hoffnungsträgerin für Lukaschenko-Gegner. Es gibt auch noch drei weitere Kandidaten. Mit ersten Prognosen wird nach der Schließung der letzten Wahllokale um 19.00 Uhr MESZ gerechnet. Beobachter gingen schon im Vorfeld von Wahlfälschungen aus.

Der 65-jährige Lukaschenko strebt eine sechste Amtszeit an. Nach seiner Stimmabgabe in der Hauptstadt Minsk warnte er erneut vor Umsturzversuchen aus dem Ausland. Es werde jedoch keinen bürgerkriegsähnliche Situation geben. Alles sei unter Kontrolle. „Das garantiere ich“, sagte Lukaschenko.

Lukaschenko gilt in dem Land, in dem noch die Todesstrafe vollstreckt wird, als „letzter Diktator Europas“. In den Wochen vor der Wahl ging er besonders hart gegen Kritiker und Aktivisten vor. Auch Kollegen und Mitstreiterinnen Tichanowskajas wurden kurzzeitig in Gewahrsam genommen, darunter auch Maria Kolesnikowa. Sie ist die Wahlleiterin des nicht zugelassenen Bewerbers Viktor Babariko, der auch im Gefängnis sitzt. Sie wurde aber wieder freigelassen.

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Die 37 Jahre alte Tichanowskaja soll sich in der Nacht vor der Wahl in der Hauptstadt in Sicherheit gebracht haben. Sie habe aus Schutz nicht in ihrer Wohnung übernachtet und sei bei ihren Kollegen geblieben, teilte ihr Wahlstab mit. Zuvor hatte sie bereits ihre zwei Kinder ins Ausland gebracht. Ihr Mann, der bekannte Blogger Sergej Tichanowski, sitzt im Gefängnis. Sie war an seiner Stelle als Kandidatin für die Wahl registriert worden.


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