Vom Après-Ski bis zum Club: Feiern in Tirol verboten?

Die ÖVP will ein geregeltes Après-Ski, die Grünen ein gediegenes, SPÖ, NEOS und Liste Fritz am besten keines, die FPÖ Feier-Angebote.

Feiern, Konzerte, Partylaune? Ob das wieder möglich sein wird, wann und wie, darüber wird gestritten.
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Von Anita Heubacher

Innsbruck – Das Thema Après-­Ski sorgt weiter für Diskussionen. Die Touristiker fordern klare Regeln, von wem die kommen sollen, ist ein Streitpunkt. Vor allem rechtlich lässt es sich kaum bewerkstelligen, dass Après-Ski eingeschränkt stattfinden soll oder Après-Ski-Lokale zu einer früheren Sperrstunde verdonnert werden, während die sonstige Feier-Gastronomie außen vor bleibt. Après-Ski ist keine Branche.

ÖVP-Chef Günther Platter hat auf den Bund verwiesen und fordert eine einheitliche Regelung in ganz Österreich. ÖVP-Wirtschaftsbündler Franz Hörl hatte das Thema angezogen, konnte sich am Montag eine Sperrstunde zwischen 17 und 18 Uhr vorstellen, am Dienstag ruderte Hörl zurück und verlangte ein­e Pause, um die Après-Ski-Lokale zu lüften. Früher habe man um 17 Uhr zugesperrt, um nach einer Stunde wieder aufzusperren, meinte er. In der ÖVP und insbesondere im Wirtschaftsflügel sorgt das Thema für große Aufregung, ebenso in der Tourismus-Branche.

Der Koalitionspartner, die Grünen, tut sich da leichter. Es ist nicht unbedingt seine Kernklientel, um die es geht. Die Grünen können sich ein „gediegenes Après-Ski“ vorstellen. „Zusammensitzen bei einem Glasl ja, ausgelassenes Feiern nein“, meint Tourismussprecher Georg Kaltschmid. Eine frühere Sperrstunde bringe nichts. Der Grüne fordert, für Après-Ski und die Nacht-Gastronomie die Anzahl der Menschen in bestimmten Räumlichkeiten zu begrenzen, die Partygäste fordert er auf, mit Eigenverantwortung zu agieren und Abstand zu halten. „Vielleicht muss man früher anfangen. Je später der Abend, desto ausgelassener wird es.“

SPÖ-Chef Georg Dornaue­r wäre es am liebsten, „die Leute würden Ski fahren und danach möglichst bald nach Hause gehen“. Aus derzeitiger Sicht sei die internationale Gesamtsituation zu unsicher, um das Öffnen von Nachtlokalen uneingeschränkt zu ermöglichen. Die derzeit geltende Sperrstunde für Lokale um ein Uhr würde Dornauer beibehalten, wenn die Infektionszahlen stimmen. „Allerdings muss der Gast und auch der Wirt damit rechnen, dass es zu einer Schließung der Lokale kommt. Nicht nur punktuell, sondern generell.“

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Die Antwort von NEOS-Klubobmann Dominik Oberhofer zum Thema Après-Ski fällt ganz klar aus: „Zusperren und einen Rettungsschirm aufspannen.“ Es sei offenkundig, was Corona beflügle: Körperkontakt, laute Musik, Alkohol. Bars, Nachtgastronomie und Après-Ski-Lokale würden durch Reglementierungen und eine schwache Nachfrage ohnehin zu wenig Umsatz machen. „Es braucht einen Fixkosten-Zuschuss. Steuern und Abgaben sind einzufrieren.“

Die Liste Fritz hält Regeln für Après-Ski-Lokale für eine Augenauswischerei. „Was ist beim Anstehen zum Skilift? Was ist mit der Liftgondel? Was ist mit dem Hotel, was mit dem Wellnessbereich und was mit der Hotelbar?“, fragt Abgeordneter Markus Sint. Der Massentourismus bleibe Kern des Problems. „Der Tourismus muss auf neue Beine gestellt werden.“

Ganz anders die FPÖ: Nationalrat Gerald Hauser fordert, Angebote zu schaffen und feiern zu ermöglichen. „Ein Verbot geht gar nicht.“ Sperrstunden und Sitzplatzbeschränkungen für Après-Ski-Lokale hält er für kein­e Lösungsansätze. Hauser schlägt vor, das Personal in der Feier-Gastronomie regelmäßig zu testen und allgemein Hygien­e- und Abstandsregeln einzuhalten.


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