Ein besonderer Gast in Rietz: Der Rotmilan ist ein Tiroler

Trotz seiner Imposanz von 1,70 m Spannweite geht vom Rotmilan keine Gefahr für freilaufende Hühner aus. Falkner Wolfgang Fritz sieht eher den Neo-Tiroler gefährdet.

Mit viel Liebe, Geduld und Fachkenntnis päppelt Wolfgang Fritz einen vergifteten Rotmilan auf.
© Parth

Von Thomas Parth

Rietz –Noch vor wenigen Jahren war der Rotmilan in unseren Breiten eher als Zugvogel, nicht als Brutvogel, bekannt. „Mittlerweile kann man den Rotmilan zum fixen Bestandteil der Tiroler Fauna zählen“, ist sich Wolfgang Fritz aus Rietz sicher. Er selbst hat bereits vor zwei Jahren nicht nur erwachsene Exemplare gesichtet, sondern diese auch bei der Brutpflege beobachtet. „Nachdem ich die kreisenden Eltern beobachtet habe, hat mir die Sache keine Ruhe gelassen. Tatsächlich habe ich ein Nest mit zwei Jungtieren entdeckt“, zeigt Fritz auf.

In der Luft bietet der Greifvogel ein imposantes Bild.
© Florian Egger

Der gelernte Falkner und Vogelliebhaber will eine Lanze für den Rotmilan brechen, zumal dieser immer häufiger in Tirol für großes Aufsehen sorgt. Mit bis zu 1,70 Metern Flügelspannweite wird er oft mit einem Adler verwechselt. „Heuer sind mir speziell aus dem Lechtal, aber auch dem Wipptal, dem Ötztal und dem Inntal zahlreiche Sichtungen gemeldet worden“, berichtet Fritz. „Der Sturz, also der Schwanz des Tieres, ist gegabelt. Der Adler-Sturz im Unterschied dazu ist flach“, klärt der Falkner auf: „Ich frage die Leute immer, ob das Flugbild aussieht wie das einer Schwalbe.“ Besonders sehenswert sind die Flugkünste dieser imposanten Tiere. Wenn der Bauer die Felder frisch gemäht hat, dann ist genau der richtige Moment für einen Spähflug des Greifvogels.

Eine besonderer Gast

„Der Rotmilan ernährt sich vorwiegend von Mäusen oder kleinen Feldhasen und Vögeln. Auch jagt er gerne als schlauer Schmarotzer Raben oder Reihern die Beute ab und frisst Aas“, weiß Fritz, der momentan einen besonderen Gast in seiner Voliere in Rietz beherbergt.

Vor vier Wochen haben zwei Passanten einen Rotmilan in Stams auf einem Feldweg sitzend entdeckt. „Das Tier war so geschwächt und gestresst, dass es kaum Fluchtversuche unternommen hat. Die Erstversorgung haben ein Tierarzt aus Telfs und ein Vogelliebhaber aus Rietz unternommen, bevor er zu mir kam“, schildert Fritz.

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Leider haben sich rasch Vergiftungssymptome herausgestellt und über mehrere Tage war nicht klar, ob es der junge Rotmilan über den Berg schaffen würde oder nicht. „Das Tier war absolut am Limit und stand knapp vor der Zwangsfütterung. Als Falkner habe ich den Vorfall umgehend der Bezirkshauptmannschaft gemeldet und versprochen, mich um den Greifvogel zu kümmern, bis er wieder in die Lüfte entlassen werden kann“, unterstreicht Fritz: „Ob der Rotmilan absichtlich vergiftet wurde, oder ob er lediglich für ihn Ungenießbares gefressen hat, lässt sich nicht mehr feststellen.“ Der Oberländer erlangte vor einem Jahr durch eine Bartgeier-Sichtung im Lechtal überregionale Bekanntheit.

„A bissl fanatisch“, so Fritz, müsse man schon sein, um sich derart in das Greifvogelthema zu vertiefen. „Jetzt habe ich den Rotmilan seit ein paar Wochen aufgefüttert. Ich hoffe, dass er bis Ende September, Anfang Oktober genug Kräfte gesammelt hat. Aber Kraft alleine ist nicht ausreichend. Auch die Ausdauer muss passen, damit er den Anschluss nicht verliert“, bestätigt der Falkner, selbst jahrelanges Mitglied des österreichischen Falknerbundes. Normalerweise ziehen die Greifvögel im Winter weiter und verweilen nur in milden Wintern in Tirol, wo die Tiere strengstens geschützt sind.


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