„Unzureichend“: Für AK und ÖGB ist nach Swarovski-Taskforce vieles unklar

Tiroler AK und Gewerkschaft kritisieren Ergebnisse der Swarovski-Taskforce als unzureichend. Zangerl fürchtet, dass neue Swarovski AG in der Schweiz sitzen wird.

Arbeitnehmervertreter üben weiter massive Kritik an Swarovski.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Der Abbau von 1800 Swarovski-Beschäftigten bis 2022 in Wattens stößt Tirols Arbeiterkammer-Chef Erwin Zangerl und Tirols ÖGB-Vorsitzendem Philip Wohlgemuth nach wie vor sauer auf. Von den Ergebnissen der vom Land ins Leben gerufenen Taskforce rund um den Swarovski-Kahlschlag sind beide wenig angetan. Wie berichtet, wird der bestehende Sozialplan um ein Jahr verlängert und die bestehende Arbeitsstiftung auf 500 Plätze aufgestockt. „Ein Sozialplan ist kein Gnadenakt, sondern wird mühevoll von Betriebsrat und Gewerkschaft mit der Geschäftsführung verhandelt. Eine Verlängerung sollte eigentlich selbstverständlich sein“, betont Wohlgemuth: „Die Firma Swarovski hat aber nach wie vor nicht dargelegt, welche Bereiche betroffen sind. Nur so könnten wir in weitere Verhandlungen treten.“

Eine Erweiterung der bestehenden Arbeitsstiftung reiche nicht aus, sagt auch Bernhard Höfler, betreuender Sekretär der Gewerkschaft PRO-GE und AK-Vorstand: „Oberstes Ziel muss der Erhalt der Arbeitsplätze sein, dazu braucht es unbedingt einen Verlagerungsstopp ins Ausland.“ Zudem fordert er eine Dienstfreistellung bei voller Entgeltfortzahlung bis zum Pensionsantritt ab dem 55. Lebensjahr sowie die freiwillige Bezahlung aller notwendigen Nachtschwerarbeitsbeiträge.

Auch Tirols AK-Chef Zangerl schießt scharf gegen Swarovski und die Taskforce. „Bisher wird nur gemutmaßt, wie viele Beschäftigte gehen müssen und wie lange sich der Personalabbau hinziehen wird. Auch über Strategien, wie man den Standort nachhaltig sichern will, ist wenig bekannt, außer eben durch Personalabbau“, so Zangerl. Das Unternehmen sei viele Antworten schuldig geblieben. „Dass sich auch innerhalb der Swarovski-Familie Widerstand regt, zeigt, wie unklar die wirklichen Pläne des Managements sind“, so Zangerl. Unlängst hatte Paul Swarovski die Pläne für den Stammsitz kritisiert. Bezüglich einer „allfälligen Verlagerung des Standortes Wattens“ seien die Gesellschafter weder vollständig informiert noch eingebunden gewesen.

Sitz der AG könnte in der Schweiz sein

Swarovski-Konzernchef Robert Buchbauer hatte gegenüber der TT Pläne angekündigt, sämtliche Swarovski-Firmen unter einer Aktiengesellschaft zusammenführen zu wollen. AK-Chef Zangerl befürchtet, dass der Sitz einer solchen AG in der Schweiz sein wird. „Obwohl das Land Tirol immer viel für den Konzern getan hat, wandert die Konzern-Zentrale in die Schweiz, vermutlich, da sich die Manager dann die Wege ins ausgedünnte Wattens sparen können“, ätzt Zangerl.

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Auf TT-Anfrage zum Sitz der geplanten AG hieß es vom Konzern gestern, dass es „hinsichtlich einer möglichen neuen Rechtsstruktur derzeit noch keine konkreten Pläne bzw. Entscheidungen“ gebe. Eine Entscheidung hatte Buchbauer für Herbst avisiert. Schon jetzt sitzen Swarovski-Gesellschaften, etwa die Swarovski International Holding AG, in der Schweiz. Oder in Liechtenstein, wo sämtliche Endkunden-Produkte verpackt und weltweit an Kunden und Swarovski-Shops ausgeliefert werden. (mas)


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