Demonstrant in Gefängnis in Weißrussland gestorben

Ein bei den Protesten gegen die Führung in Weißrussland festgenommener Demonstrant ist nach Behördenangaben im Gefängnis gestorben. Der 25-Jährige war am Sonntag in der Stadt Gomel bei einer „nicht genehmigten“ Demonstration gegen die Präsidentenwahl festgenommen und zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden, hieß es. Die Todesursache ist nicht bekannt.

Auch über den Zeitpunkt seines Todes wurden keine konkreten Angaben gemacht. Dem jungen Mann sei es in der Haft „plötzlich schlechter“ gegangen, hieß es lediglich. Es ist das zweite Todesopfer seit Beginn der landesweiten Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko. Am Montag war bereits ein Demonstrant getötet worden - laut Regierungsangaben, weil ein Sprengsatz in seinen Händen explodierte.

In der Stadt Brest schoss die Polizei nach Angaben des Innenministeriums am Mittwoch mit scharfer Munition auf Demonstranten, nachdem eine „Gruppe aggressiver Bürger“ die Beamten angegriffen habe. Mindestens ein Mensch wurde demnach verletzt. Seit Sonntag wurden tausende Demonstranten festgenommen. Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, verurteilte das gewalttätige Vorgehen der Behörden in Weißrussland gegen friedliche Demonstranten am Montag scharf.

Seit Tagen gibt es im ganzen Land massive Proteste gegen die von Wahlbetrugsvorwürfen begleitete Präsidentschaftswahl am Sonntag. Laut dem amtlichen Wahlergebnis kam der seit 26 autoritär regierende Staatschef Lukaschenko auf mehr als 80 Prozent der Stimmen. Seine inzwischen nach Litauen geflüchtete Hauptrivalin Swetlana Tichanowskaja erhielt demnach nur rund zehn Prozent.

Die Regierungen der Nachbarstatten Litauen, Lettland und Polen wollen zwischen Langzeit-Präsident Alexander Lukaschenko und der Opposition vermitteln. Die Regierungen in Warschau und Riga unterstützten einen von ihm vorgelegten Vermittlungsplan, sagte der litauische Präsident Gitanas Nauseda am Mittwoch.

Der von Nauseda vorgelegte Drei-Punkte-Plan sieht die Schaffung eines „Nationalrats“ vor, der aus Vertretern von Lukaschenkos Regierung und der Zivilgesellschaft bestehen soll. Zudem müssten die Behörden alle inhaftierten Demonstranten freilassen und die „Gewalt gegen die Bürger“ einstellen. Falls sich Lukaschenko nicht auf den Plan einlasse, drohten seinem Land neue EU-Sanktionen, sagte Nauseda.

Polens Präsident Andrzej Duda appellierte an den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, von der Führung in Belarus einen Gewaltverzicht und die Freilassung inhaftierter Demonstranten zu verlangen. Auch die orthodoxe Kirche in Belarus wolle sich für einen Dialog einsetzen und sich mit Regierungsvertretern treffen, sagte Kirchenoberhaupt Metropolit Pawel.


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