Einkauf und Taxifahrt trotz Infizierung: 10.800 Euro Strafe für Frau in Tirol

Am Donnerstag wurde am Landesgericht der bislang bundesweit schwerwiegendste Fall eines Quarantäne-Bruchs durch eine Infizierte verhandelt. Im April hatte eine 54-Jährige in Schwaz die aufgetragene Quarantäne trotz positiver Covid-Testung gleich dreimal gebrochen.

10.800 Euro Strafe für Covid-Kranke: Die Frau brach mehrfach die Quarantäne.
© TT/Thomas Böhm

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Der laut Staatsanwaltschaft bislang bundesweit schwerste Fall um die Missachtung eines Quarantäne-Bescheids wurde am Donnerstag am Innsbrucker Landesgericht verhandelt. Wegen vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten war eine 54-Jährige angeklagt. Die als Covid-positiv getestete Frau hatte trotz bereits ergangenen Absonderungsbescheids der BH Schwaz gleich mehrfach auf besonders verantwortungslose Weise ihre Wohnung verlassen.

So war die Frau im April einfach in einen Supermarkt gegangen, fuhr mit dem Lift des Mehrparteienhauses zur Müllentsorgung, sonnte sich auf einer Bank und fuhr am selben Tag wegen einer kleinen Verletzung seelenruhig mit dem Taxi ins Krankenhaus. Da die Frau am Vortag schon verwarnt worden war und die Wohnung trotzdem wieder verlassen hatte, musste die 54-Jährige wegen Tatbegehungsgefahr sogar kurzzeitig verhaftet werden.

📽️ Video | Frau nach Covid-19-Erkrankung verurteilt

Staatsanwalt Clemens Gattringer schäumte: „Die Sorglosigkeit Einzelner gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung. Sie haben sich einen Dreck geschert, ob Sie jemanden anstecken. Sie waren so dreist und ignorant, dass man sie sogar verhaften musste!“ Die Angeklagte entgegnete noch immer uneinsichtig, dass sie doch Abstand gehalten und die Hände desinfiziert hätte: „So steril wie ich war, war ich keine Gefahr.“ Staatsanwalt Gattringer forderte darauf eine Strafe mit generalpräventivem Effekt. Richter Georg Putz verhängte nicht rechtskräftig 10.800 Euro Geldstrafe: „Dass die Krankheit gefährlich ist, haben wir an den Särgen gesehen, die sich stapelten!“

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Brenner-Kontrollen angelaufen

Seit 14.00 Uhr wird am Donnerstag deshalb am Brenner auch wieder verstärkt in Hinsicht auf Balkan Rückkehrer kontrolliert, die den Brenner als Ausweichroute zu Grenzübergängen in Kärnten, der Steiermark oder im Burgenland nehmen könnten. 18 Soldaten unterstützen dabei Polizei und Land Tirol.

Balkan-Rückkehrer: Um 14 Uhr haben gestern am Brenner wieder verstärkte Kontrollen begonnen.
© Land Tirol

Landeshauptmann Günther Platter hält es aufgrund der Infektionszahlen von Balkan-Rückkehrern seit gestern für „diskutierenswert“, eine Reisewarnung der Sicherheitsstufe 6 zu erlassen. Platter: „Allein in Tirol hatten wir in den letzten Tagen 20 positive Corona-Testungen zu verzeichnen, die in Zusammenhang mit einem Kroatien-Aufenthalt stehen. In Tirol stieg die Zahl der Infizierten seit Mittwochabend indes um 41 Personen auf 108 Infizierte an. 57 Infektionen waren es allein in Innsbruck, viele betrafen den bekannten Somalier-Cluster. Erkrankungen in Innsbruck und Schwaz stehen zudem in Zusammenhang mit Kroatien-Aufenthalten.


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