Corona-Frühwarnsystem per Abwasseranalyse startet durch

Das Corona-Monitoring per Abwasseranalyse geht in Innsbruck ab Montag an drei weiteren Standorten in Betrieb, als Basis für gezieltes Handeln.

Beim gestrigen Lokalaugenschein mit Vizebürgermeister Hannes Anzengruber (r.) demonstrierte IKB-Mitarbeiter Manuel Sorg den neuen Abwasser-Probenehmer am Standort „Sillzwickel“.
© Domanig

Innsbruck – Die Zahl der Corona-Infizierten in Innsbruck ist in den letzten Tagen rasant angestiegen (siehe dazu S. 5). Umso wichtiger sei der Aufbau eines Covid-19-Frühwarnsystems mittels Abwasserproben, betont Vize-BM Hannes Anzengruber (ÖVP).

Ziel des Systems, entwickelt von den Instituten für Gerichtliche Medizin und Hygiene an der MedUni Innsbruck, unterstützt vom Land Tirol und der Stadt Innsbruck, ist es, über Proben aus Kläranlagen oder Kanälen einen Anstieg an Infektionen frühzeitig zu erkennen bzw. einen Überblick über die Ausbreitung des Virus zu erhalten (die TT berichtete). So sollen Cluster schneller und strukturierter eingedämmt werden.

Das Ballungszentrum Innsbruck wird für das Abwasser-Monitoring in fünf Sektoren untergliedert. Ab Montag gehen Messanlagen an drei neuen Standorten in Betrieb: Neben der bereits installierten Anlage im Zulauf der Kläranlage Rossau (die bereits seit 2016 auch für Drogenanalytik genützt wird) sind dies Messstellen im O-Dorf, am Sillzwickel und im Sieglanger. Ein fünfter Standort in der Innstraße sei in Planung, erläutert Bernhard Zit, Geschäftsbereichsleiter Abwasser bei den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB), dazu komme noch eine mobil einsetzbare Anlage.

Mittels automatisierter Probenehmer werden kontinuierlich Tagesmischproben entnommen. Diese werden dann – voraussichtlich von der Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG) oder Mitarbeitern des Straßenbetriebs – zum Institut für Gerichtliche Medizin gebracht und dort im Labor analysiert. „Die Analyseergebnisse sollten binnen ein bis zwei Tagen vorliegen“, erklärte Gerichtsmediziner Herbert Oberacher beim gestrigen Lokalaugenschein am Sillzwickel, „wir sind derzeit aber noch in der Pilot- und Optimierungsphase.“ Im Vollausbau sollen 43 Tiroler Kläranlagen regelmäßig überwacht werden. „Jede verfügt über einen 24-Stunden-Mischprobenehmer zur Selbstüberwachung. Wir sind hier Nutznießer bereits vorhandender Technologien“, so Oberacher.

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In Innsbruck werden übrigens 14 Umlandgemeinden, die alle an der Kläranlage Innsbruck „hängen“, mitgemessen.

Für Anzengruber ist das Frühwarnsystem ein wertvoller Mosaikstein: Bei überhöhten Werten könne man „punktuell in den Stadtteilen reagieren“ bzw. das betroffene Gebiet über das Kanalnetz noch näher eingrenzen. (md)


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