Biobauern-Verband wird 40: Bio kann ein Überlebensvorteil sein

Der Biobauern-Verband „Bio Austria Tirol“ feiert sein 40-jähriges Jubiläum. Über alte und neue Kämpfe, ethische Überlegungen und den Direktvertrieb.

Die Kössner Biobauern Bastian und Gottfried Hallbrucker mit „Bio Austria Tirol“-Obfrau Christina Ritter und Geschäftsführerin Regula Imhof.
© mair

Innsbruck – „Es gibt auch eine Tiroler Bio-Gurke“, sagt Regula Imhof. Was im ersten Moment selbstverständlich klingt, wissen offenbar viele Konsumenten nicht, wie die Geschäftsführerin des Verbands „Bio Austria Tirol“ schildert. „Es geht uns darum, regional und saisonal nicht auszuspielen“, erläutert sie weiter – und solche Wissenslücken in der Bevölkerung zu schließen.

Im September feiert die Vereinigung der Biobauern in Tirol ihr 40-jähriges Bestehen. 2005 integrierte sich der Verband, der bis dahin auch als „Ernte-Verband“ bekannt war, in die Dachorganisation Bio Austria, welche damit zur größten Bio-Vereinigung Europas wurde. Von den rund 2300 Bio-Betrieben sind derzeit 700 Mitglieder bei Bio Austria Tirol und unterziehen sich damit jährlich verpflichtenden Hof-Überprüfungen von unabhängigen Kontrollstellen.

Die entsprechenden Richtlinien gehen zum Teil noch über die EU-Regularien für die Bio-Landwirtschaft hinaus, wie Obfrau Christina Ritter betont. So gebe es z. B. ein Kapitel für soziale Standards, in denen u. a. die Anstellungsverhältnisse von Erntehelfern geregelt werden.

Bei Projekten wie „Bruderhahn“ bei dem sich Biobauern in der Geflügelproduktion dazu verpflichten, männliche Küken nicht zu schreddern, übernehmen die Mitglieder auch tierethische Verantwortung. Dasselbe gelte für Tiertransporte: Mitglieder sollen die Kälber länger am Hof leben lassen. Doch das muss sich ein Biobauer – sein Stundenlohn liegt laut Imhof teilweise bei zwei Euro – erst leisten können. Neben Information und Aufklärung der Bevölkerung bietet „Bio Tirol Austria“ seinen Mitgliedern deshalb Beratung und Bildung.

Dennoch: Seit der Gründungszeit kämpft der Verband immer wieder mit denselben Herausforderungen: „Die Fläche wird weniger, die Pachtpreise höher und die Konkurrenz größer. Die hochwertigen Flächen werden verbaut und die Hänge bleiben für uns Bauern übrig. Wovon sollen wir künftig leben? Wer sorgt für die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln?“, fragt Ritter. Der Kössner Gottfried Hallbrucker sieht in der Bio-Landwirtschaft sowie in der Direktvermarktung den Schlüssel für die Zukunft der Landwirtschaft – aus Erfahrung. Im Kaiserwinkel haben sich die Biobauern zu einer Genossenschaft mit bio-zertifizierter Käserei zusammengeschlossen. „Das war entscheidend, damit wir weiterbestehen konnten“ sagt er, während viele konventionelle Betriebe schließen mussten. Wenn der Herstellungsprozess transparent ist, seien die Kunden bereit, einen fairen Preis zu bezahlen. Davon kann man sich auch in einem der vier „Bio Tirol Austria“-Läden – in Natters, Innsbruck, Jenbach oder Ebbs –, in denen Biobauern derzeit 400 Produkte direkt verkaufen, überzeugen. (thm)


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