Der Ausnahme-Aufnahmetest für die MedUni Innsbruck

Einen Monat später als eigentlich geplant und mit hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards findet heute das Aufnahmeverfahren für das Medizin-Studium in der Innsbrucker Messe statt.

In dieser Halle der Innsbrucker Messe werden heute einige der rund 3470 Bewerber für einen der 400 Studienplätze für Human- und Zahnmedizin ihren Aufnahmetest ablegen. Die Abstände zwischen den Tischen sind größer als in den vergangenen Jahren, Masken dürfen nur am Platz abgenommen werden.
© Thomas Boehm / TT

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Peter Loidl ist sich sicher: „Bei uns ist das Infektionsrisiko deutlich geringer als im Supermarkt oder beim nachmittäglichen Spaziergang den Inn entlang.“ Der Vizerektor der MedUni Innsbruck erklärte gestern vor Pressevertretern, dass beim heute stattfindenden Aufnahmetest für das Medizinstudium alle Vorkehrungen getroffen wurden, um eine Ansteckung mit dem Corona­virus zu verhindern. Diese Hygienemaßnahmen lassen die Kosten des Prozedere allerdings enorm ansteigen.

Minutiös vorbereitet

„Minutiös vorbereitet“ sei das Aufnahmeverfahren, sagt Vizerektor Loidl, er sei „deshalb entspannt, aber es ist nun mal nicht dieselbe Prozedur wie jedes Jahr. Für uns bedeutet es einen unglaublichen logistischen und auch personellen Aufwand.“ Einlass ist heute Früh ab 7 Uhr. „Schon den Zustrom zum Test hin wollen wir steuern. Die Studienwerber sind in Kohorte­n eingeteilt, alle 20 Minuten kommt eine Gruppe zu einem der Eingäng­e.“

„Der 3. Juli hätte sich wegen der epidemiologischen Situation gut für das Aufnahmeverfahren geeignet.“ - Peter Loidl
 (Vizerektor MedUni)
© Thomas Boehm / TT

Dort findet ein Gesundheits-Check statt. Es wird Fieber gemessen, wer einen Körpertemperatur-Grenzwert von 37,8 Grad Celsius nicht überschreitet, kann eintreten. Auf dem gesamten Gelände gilt Maskenpflicht, nur wenn die Prüflinge an ihrem Platz sitzen, dürfen sie den Mund-Nasen-Schutz abnehmen. Im Fall, dass eine erhöhte Temperatur gemessen wird, muss sich der Kandidat einer Untersuchung unterziehen. Durchgeführt wird diese von zwei Ärzten, die laut Vizerektor Loid­l „extrem kompetent im Umgang mit Covid sind, in den Triage-Zelten an der Klinik gearbeitet haben“. Die als Corona-­Verdachtsfall Eingestuften werden den Gesundheitsbehörden gemeldet, ein Rachenabstrich wird genommen. „Sie können in einer eigens dafür vorgesehenen Halle trotzdem die Prüfung absolvieren.“

Masken, Desinfektionsmittel, mehr Räumlichkeiten, 500 statt wie sonst 250 Ordnungsleute und Aufsichtspersonen – das geht ins Geld. „Normalerweise kostet uns das Aufnahmeverfahren zwischen 500.000 und 600.000 Euro, heuer sind es um 130.000 bis 150.000 Euro mehr.“ Über einen Monat später als in Vor-Corona-Zeiten vorgesehen wird der Medizin-Test heute abgewickelt. Für Peter Loid­l war die Entscheidung, ihn zu verschieben, die falsche. „Eigentlich hätte sich der 3. Jul­i sehr gut geeignet, weil die epidemiologisch­e Situation eine sehr gute war.“ Diese hält Loidl zwar immer noch für „stabil“, aber sowohl in Österreich als auch in Deutschland – den beiden Ländern, aus denen die meisten Bewerber stammen – sei das Infektionsgeschehen zu diesem Zeitpunkt besser gewesen.

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3470 Kandidatinnen und Kandidaten

3470 Männer und Frauen haben sich für das Aufnahme­verfahren angemeldet. Davon interessieren sich 3154 für einen der 360 Studienplätz­e für Humanmedizi­n, der Rest für die 40 Zahnmedizin-­Studienplätze. Von den Bewerbern fallen 1392 unter die Österreicher-­Quote (2019: 1386), die anderen 1736 unter die EU-Quote (2019: 2098). Das Gros der zweiten Gruppe (1621) kommt aus Deutschland.

Wenn der Test dann heute Nachmittag beendet ist, müssen die Anwärter vorerst auf ihren Plätzen sitzen bleiben. Garderobe, bei der sie Sachen abholen müssten, gibt es keine, das Hab und Gut wird in großen Säcken unter dem Tisch verstaut. „Auch das Verlassen des Testgeländes ist geordnet, der Auslass ist gestaffelt.“ Und was, wenn sich im Nachhinein herausstellen wird, dass doch einer oder mehrere der Prüflinge mit dem Coronavirus infiziert waren? „Jeder Tisch ist mit einem Etikett versehen“, sagt Martina Heidegger, Leiterin der Abteilung Studienservices der MedUni. „Wir haben ein Raster erstellt, für den Fall, dass wir nachvollziehen müssen, wer mit wem Kontakt hatte.“


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