Per Dampfer in das von Schlangen belebte Meer

„Ein Rabe und eine Rabenfeder“, 2009 im Todesjahr von Paul Flora gezeichnet.
© Galerie Flora

Innsbruck – Wenn es um die sommerliche Ausstellung der Galerie Flora geht, ist alljährlich derselbe Künstler dran: Allerdings nicht irgendeiner, sondern Tirols Paradezeichner Paul Flora. Was trotzdem nie langweilig wird, war der vor elf Jahren verstorbene Künstler doch ein überaus Vielseitiger, sich technisch immer wieder leicht Wandelnder, an der Welt und allem, was auf ihr kreucht und fleucht in höchstem Maße Interessierter.

Die aktuelle Schau ist mit 25 originalen Zeichnungen exquisit bestückt. Die jüngste ist ein 1948 vom 26-jährigen Flora flott aus der Linie entwickelter „Donaudampfer“, nur ein Jahr jünger das köstlich von sich windenden und mit Fontänen auf Segelboote zielenden Schlangen „Belebte Meer“. Bereits hier zeigte sich Floras lebenslanges Faible für das Skurrile, hintergründig humorvoll Zelebrierte, letztlich literarisch Animierte.

Die kleine, feine Auswahl ist aber auch ein fabelhafter Spiegel einer zunehmend geschliffener werdenden handwerklichen Raffinesse. Einer räumlichen Verdichtung des Gestrichelten, um in fast bildhauerischer Manier Bildgeschichten zu erzählen. Die in stiller Poesie daherkommen können wie etwa in einem Blatt, in dem Richard Wagner mit vier Raben auf Augenhöhe in ein offensichtlich tiefsinniges Gespräch vertieft ist. Schön auch eine Zeichnung, in der Flora formal raffiniert ein Spiel mit zwei sich spiegelnden Reitern durchdekliniert. Seinen Hang zum Makaberen outet er dagegen im Porträt eines nobel gewandeten, allerdings verwesten Paares.

Aber auch aufgeplusterte Hähne in Tiroler Tracht dürfen in einer Flora-Schau nicht fehlen, genauso wie einsame Geher über nebelverhangene venezianische Brücken. Erkundete der Meister in früheren Jahren die „Farbigkeit“ in diversen Qualitäten des Schwarz, liebte er später durchaus den plakativen Effekt realer Farbigkeit. (schlo)

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