Iran und Türkei verurteilen Annäherung der VAE und Israel

Der Iran und die Türkei haben die überraschende Annäherung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) scharf kritisiert. „Das war eine strategische Dummheit, die letztendlich nur die anti-israelische Widerstandsfront stärken wird“, erklärte das iranische Außenministerium am Freitag.

In einer Mitteilung des türkischen Außenamts hieß es, die Emirate hätten die Interessen der Palästinenser verraten. Die VAE-Regierung verteidigte die Einigung dagegen als eine Chance für einen Frieden in Nahost.

Die Türkei kündigte an, ihre diplomatischen Beziehungen mit den VAE nach deren Annäherung mit Israel ruhen zu lassen. „Ich habe meinen Außenminister beauftragt und gesagt, dass wir besonders die diplomatischen Beziehungen mit der Führung in Abu Dhabi einfrieren oder auch den Botschafter abziehen könnten“, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Freitag in Istanbul. „Denn wir stehen an der Seite des palästinensischen Volkes“, so der türkische Staatschef.

Hunderte Palästinenser gingen aus Protest gegen die Annäherung auf die Straßen. In Gaza-Stadt hatten viele Demonstranten palästinensische Fahnen und Banner dabei. Auf einem stand: „Normalisierung ist ein Messer im Rücken des palästinensischen Volkes“. Organisiert wurde der Marsch unter anderem von der im Gazastreifen regierenden islamitischen Hamas. Auch an der Al-Aqsa-Moschee in der Altstadt von Jerusalem demonstrierten Menschen gegen die Emirate.

Als erster arabischer Staat begrüßte das Sultanat Oman die Annäherung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dies werde hoffentlich zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten führen, teilte das Außenministerium des Landes am Freitag mit.

In einem historischen Schritt hatten sich Israel und die Emirate zuvor auf die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen geeinigt. Bisher galt es als Tabu für arabische Staaten, Abkommen mit Israel zu schließen, bevor der Nahost-Konflikt gelöst ist. Israel und die Emirate pflegten Berichten zufolge aber längst heimlich Kontakte. Aus dem arabischen Raum unterhält Israel bisher nur Beziehungen zu seinen Nachbarn Jordanien und Ägypten. Diese Abkommen liegen allerdings schon mehr als 25 Jahre zurück.

Im Gegenzug für die Annäherung mit den Emiraten setzt Israel einer gemeinsamen Erklärung zufolge seine umstrittenen Annexionspläne im besetzten Westjordanland aus. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu betonte aber, die Pläne seien nicht grundsätzlich vom Tisch. Sowohl bei israelischen Siedlern als auch bei der Palästinenserführung stieß das Abkommen mit den VAE auf Kritik.

Die Vereinbarung zur Aufnahme der diplomatischen Beziehungen war am Donnerstag von US-Präsident Donald Trump als Vermittler bekanntgegeben worden. Die Emirate und Israel verbindet vor allem ihre Feindschaft zum schiitischen Iran. Die VAE sehen wie ihre regionalen Verbündeten Saudi-Arabien und Bahrain im Iran eine der größten Gefahren für die Stabilität im Nahen Osten.


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