In Wachs gelegte Fährten: „Innsteine“ von Peter Blaas

Die fast 40 Jahre alten „Innsteine“ von Peter Blaas in der Innsbrucker Galerie Mathias Mayr wiederzusehen, ist ein kleines Ereignis.

Peter Blaas in der Galerie Mayr.
© Galerie Mathias Mayr

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Als Peter Blaas um 1980 die Serie „Innsteine“ gemacht hat, war der Pauser- und Boeckl-Schüler knapp 40 und an einem Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffen angelangt. Auf der Suche nach sich selbst zog es Blaas bereits damals – und tut es heute noch – in die Natur, der für viele größten aller Künstlerinnen, um sich von ihr animieren zu lassen. Diese Selbstfindungstrips führten ihn auch gern an den Inn, um an seinen Ufern Steine, deren Form bzw. Maserung ihn interessierten, mit in sein Atelier zu nehmen, wo sie zum Anreger für eine Serie wunderbar poetischer Arbeiten auf Papier werden sollten.

In der Galerie Mathias Mayr: „Innstein“ von Peter Blaas.
© Galerie Mathias Mayr

Diese „Innsteine“ nach sehr vielen Jahren wieder einmal als geschlossene Serie zu sehen, ist ein kleines Ereignis. Entpuppt sich doch jeder der Steine als blattfüllendes Individuum, das eine Geschichte erzählt. Um sie zu begreifen, bedarf es allerdings einigermaßen Gespür im Lesen von Spuren, die Narben von Verletzungen genauso wie offene Wunden sein können oder Zeichen, die wie fein gewobene Muster daherkommen, verdichtet zu einem über die Bildfläche geworfenen „Kleid“. Während wieder andere Blätter von fast expressiv gesetzten Strukturen durchpflügt sind.

Es ist eine unterschwellige Subversivität, die von diesen Arbeiten, die auf einen ersten Blick so gleich und auf einen zweiten doch so anders sind, ausgeht. Eine Tiefe, in die man als Betrachter unwillkürlich eintaucht, mitnimmt in Landschaften, die nur noch sehr wenig mit realen zu tun haben. Auf der Suche nach dem Existenziellen, das für Blaas eine endlose Geschichte werden sollte, wenn auch ausgetragen mit unterschiedlichen, mit den Jahren zunehmend in archaischer Zeichenhaftigkeit verdichtetem Vokabular.

Die frühen 1980er-Jahre waren allerdings auch eine Zeit, in der Blaas begann, mit den verschiedensten malerischen und grafischen Techniken zu experimentieren. Auch der uralten der Enkaustik, die in der griechisch-römischen Antike ihren ersten Höhepunkt erreichte. Dabei werden in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Malgrund aufgetragen und im Fall von Blaas in einem konzentrierten Prozess mit den unterschiedlichsten Instrumenten wie Bürsten oder Nägeln bearbeitet. Um Spuren in den hautig weichen Malgrund zu graben, Fährten zu legen, die oft im Nirgendwo enden, bisweilen sogar den Bildrand als Grenze negieren. Die Farbigkeit, die Peter Blaas zulässt, ist letztlich allerdings eine des Nicht-Farbigen, verabreicht in delikaten homöopathischen Dosen.

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