Hilferufe nicht nur aus Beirut, Pandemie verschärft Notlagen weltweit

Nach der Katastrophe von Beirut braucht der Libanon dringend weiter humanitäre Hilfe. Corona-Pandemie verschärft Notlagen weltweit.

Überleben in den Ruinen von Beirut: Die Explosion vom 4. August hat ganze Stadtviertel verwüstet. 300.000 Menschen sind obdachlos.
© AFP

Beirut, Wien –Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut sind die Kapazitäten in der libanesischen Hauptstadt für die Behandlung von Corona-Patienten nahezu erschöpft. Libanons Gesundheitsminister Hamad Hassan erklärte: „Wir stehen am Abgrund.“ Er plädiert nun für einen erneuten zweiwöchigen Lockdown im Libanon, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Im Hafen von Beirut explodierten am 4. August 2750 Tonnen Ammoniumnitrat. Über 170 Menschen wurden getötet, mehr als 6500 verletzt. Die Stadt wurde in weiten Teilen verwüstet, etwa 300.000 Menschen wurden obdachlos.

„Die Menschen im Libanon stehen noch unter Schock und sind noch damit beschäftigt, den Schutt der Katastrophe von der eigenen Seele zu schaufeln, während sie gleichzeitig schon damit begonnen haben, den Schutt auf den Straßen zu beseitigen (...). Hilfe muss in dieser Situation immer einen langen Atem haben – wir müssen vor Ort sein und vor Ort bleiben“, sagte Caritas-Präsident Michael Landau gestern mit Blick auf die Katastrophe in Beirut und den heutigen Welttag der humanitären Hilfe.

Hilfe für Beirut

Caritas: BAWAG-P.S.K.-Konto: BIC: BAWAATWW, IBAN: AT 92 6000 0000 0770 0004

Kennwort: Libanon – Nothilfe nach Explosion, www.caritas.at/beirut

Rotes Kreuz: Spenden unter www.roteskreuz.at/spenden

Spendenzweck: Hilfe im Libanon, oder an IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144, BLZ: 20.111

Österreich hat bei Hilfsangeboten noch Nachholbedarf

„Es ist die akute Hilfe, die jetzt dringend gebraucht wird. Entscheidend ist aber die mittel- und langfristige Hilfe, die dazu beiträgt, dem Land, das gerade am Limit ist, wieder auf die Beine zu helfen.“ Die Caritas Libanon, unterstützt von der Caritas Österreich und der Caritas Salzburg, hat sofort nach der Katastrophe mit Hilfsmaßnahmen begonnen. Andreas Knapp, Generalsekretär für Internationale Programme der Caritas Österreich, fordert von der Bundesregierung mehr Mittel für humanitäre Hilfe. Im Vergleich mit anderen europäischen Staaten bestehe in Österreich Nachholbedarf. Österreich gebe im Jahr nur 4,1 Euro pro Kopf für humanitäre Hilfe aus.

In Deutschland seien es 27,3 Euro, in Dänemark sogar 66 Euro. Das Rote Kreuz begrüßt die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Hilfe für den Libanon in der Höhe von 1,9 Millionen Euro und die Erhöhung des Auslandskatastrophenfonds auf 25 Mio. Euro. Doch auch das ist laut Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer zu wenig. Der Auslandskatastrophenfonds sollte künftig mit 60 Mio. Euro dotiert sein. Das Rote Kreuz und die AG Globale Verantwortung fordern zudem ein internationales Covid-19-Rettungspaket mit einer Soforthilfe von 100 Mio. Euro.

Österreich leistete in diesem Jahr den bisher höchsten Beitrag an humanitärer Hilfe, teilten die Austrian Development Agency (ADA) und das Außenministerium mit. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) bekannten sich zu „solidarischer und wirksamer internationaler Hilfe“ als zentralem Anliegen. (jec, APA)


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