Fahrtraining auf Bodenalm bei Seefeld in der Kritik, ähnlicher Fall in St. Anton

Der Landesumweltanwalt bekämpft Bescheide für Fahrsicherheitstrainings, die von Autoherstellern etwa in Seefeld oder St. Anton durchgeführt werden.

Im Sommer wird die Bodenalm als Weidegebiet genutzt. In den Wintermonaten finden dort seit Jahrzehnten Fahrtrainings statt.
© Landesumweltamt

Von Alexander Paschinger

Seefeld, St. Anton a. A. – Seit 30 Jahren führt Audi auf der Bodenalm bei Seefeld im Winter Fahrsicherheitstrainings durch. Dabei dürfen diverse Kunden mit den neuesten Fahrzeuggenerationen über die vereiste Piste driften und ihre Fähigkeiten verbessern und schärfen. Auch die Gemeinde Seefeld und den Tourismus freut das: „Diese Fahrsicherheitskurse sind eine touristische Wertschöpfung“, sagt der Seefelder Bürgermeister Werner Frießer. Jährlich sorgen die 850 bis 1000 Teilnehmer für gut 2500 Nächtigungen in der gehobenen Kategorie. Zudem sei der Konzern ein wichtiger Sponsor von Veranstaltungen und Kongressen sowie Partner der Olympiaregion Seefeld.

Die nun anstehende Verlängerung des naturschutzrechtlichen Bescheides durch die BH Innsbruck vom 22. Juni für weitere fünf Jahre wurde jetzt vom Landesumweltanwalt (LUA) beeinsprucht. Auch gegen einen ähnlichen Bescheid in St. Anton a. A. arbeitet Johannes Kostenzer bereits eine Beschwerde vor dem Landesverwaltungsgericht aus. Auch dort sollten in den nächsten fünf Jahren 100 Fahrsicherheitstage bewilligt werden.

„Der Gesetzgeber will nicht, dass Fahrzeuge prinzipiell außerhalb der Verkehrsflächen unterwegs sind“, hält Kostenzer vorab fest. Schon im Mai hatte die Tiroler Umweltanwaltschaft ein fünfseitiges Positionspapier veröffentlicht, in dem sie festhält, dass sie „derartigen Anträgen seit Anbeginn kritisch“ gegenüberstehe. „Hier wird unser schönes Land nur als Werbefläche und Kulisse gesehen“, so Kostenzer. Er fordert im Positionspapier, dass Fahrsicherheitstrainings „nur in dafür zugelassenen und vorgesehenen Trainingszentren oder auf Verkehrsflächen“ stattfinden.

Die Bodenalm bei Seefeld weist für Kostenzer einen „hohen Erholungswert“ auf. Die Beeinträchtigungen „mittlerer Natur“, wie sie vom Sachverständigen eingeschätzt wurden, können vom LUA nicht nachvollzogen werden. Denn im bewilligten Zeitraum zwischen dem 26. Dezember und dem 7. März würden somit regelmäßig „deutliche Lärm­emissionen“ stattfinden – was auf den Wanderwegen und Langlaufloipen in unmittelbarer Nähe „zu starken Beeinträchtigungen des Erholungswertes“ führe, heißt es in der Beschwerde. Im Sommer herrsche auf der Bodenalm zudem Weidebetrieb – und in diesem Zusammenhang kritisiert der Umweltanwalt, dass das nun vorgebrachte Gutachten zu den Schadstoffmessungen bereits 16 Jahre alt ist. Kostenzer geht daher davon aus, dass schon allein deshalb „das gesamte Verfahren mit einem wesentlichen Mangel behaftet ist“. Wildtiere seien im Gutachten außerdem „völlig unberücksichtigt“.

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Auch dass im konkreten Fall in Seefeld vermehrt E-Autos und Hybrid-Modelle zum Einsatz kommen, kann LUA Kostenzer nicht umstimmen. „Es ist egal, welcher Motor verwendet wird.“ In Sachen Interessensabwägung spricht er sogar von „öffentlichem Desinteresse“. Der Nationalrat habe im September 2019 im „Climate Emergency“ erklärt, dass bei künftigen Entscheidungen die Auswirkungen auf Klima und Klimaschutz festgestellt werden sollten. Widersprüche gebe es auch zum Verkehrs- sowie Bodenprotokoll der Alpenkonvention.

Außerdem verweist Kostenzer auf ein kürzlich präsentiertes Pilotprojekt bei der Erstellung und Umsetzung eines nachhaltigen Tourismuskonzeptes, das auch vom Land Tirol gefördert werde. „Genau dieses Vorhaben mit den Fahrtrainings in der Landschaft spricht diametral dagegen“, so der LUA.


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