Tausende Österreicher haben Kroatien verlassen

Bevor die Reisewarnung für Kroatien in Kraft getreten ist, haben Tausende Österreicher am vergangenen Wochenende das Adrialand verlassen. Am Montag hielten sich 30.000 österreichische Staatsbürger in Kroatien auf, noch am Freitag waren es noch rund 40.000, berichtete das Nachrichtenportal Index mit Bezug auf das Registrierungssystem für Touristen, eVisitor.

„Vom 14. bis 16. August sind 9.670 österreichische Bürger nach Kroatien eingereist, 7.291 sind aus dem Land ausgereist“, teilte unterdessen das kroatische Innenministerium auf APA-Anfrage mit. Noch eine Woche zuvor reisten laut Statistik der Grenzpolizei deutlich mehr Österreicher nach Kroatien ein als aus. Im Zeitraum von 7. bis 9. August kamen 14.600 österreichische Bürger nach Kroatien, 4.884 verließen in dieser Periode das Land.

Der Chef des kroatischen Tourismusverbands (HUT), Veljko Ostojic, sagte gegenüber Index, dass die Hälfte der Österreicher, die am Wochenende aus dem Adrialand ausreiste, das wegen der Reisewarnung getan habe, für die andere Hälfte sei wahrscheinlich der Urlaub zu Ende gegangen.

Die bei den Österreichern beliebtesten kroatischen Urlaubsgegenden sind laut dem nationalen Fremdenverkehrsbüro (HTZ) die Halbinsel Istrien, die Gespanschaft Primorje-Gorski Kotar mit den Inseln Krk, Cres, Rab und Losinj sowie die Gespanschaft Zadar in Norddalmatien. In Zadar spürt man bereits die Auswirkungen der Reisewarnung. Österreichische Gäste, die bisher einen Anteil von 30 Prozent ausmachten, verlassen nun massenhaft die Küste, sagte Daniel Radeta, Vorsitzende der dortigen Vereinigung von Privatvermietern, zu Index. Österreicher seien wegen der Reisewarnung zurück in ihre Heimat geeilt, gleichzeitig würden weitere Buchungen aus Österreich gekündigt, so Radeta.

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Die Entscheidung der österreichischen Behörden, die Reisewarnung für Kroatien einzuführen, werde nach Einschätzung der HTZ „sicherlich zu Reduzierung des Touristenverkehrs aus dem österreichischen Markt beitragen“, hieß es gegenüber Index. Im August waren österreichische Urlauber bisher für mehr als 650.000 Übernachtungen verantwortlich, was etwa 60 Prozent des Ergebnisses aus dem gleichen Zeitraum im Vorjahr entspricht. Im Juli realisierten Österreicher nach Daten der HTZ über eine Million Nächtigungen (55 Prozent des Ergebnisses aus Juli 2019).

Obwohl Österreich der Bitte Kroatiens, anstatt der Reisewarnung für das ganze Land nur eine partielle auszusprechen, eine Absage erteilt hat, hofft man in dem Adrialand, dass sich Wien dies noch anders überlegen könnte. „Angesichts der neuen Maßnahmen des Krisenstabs erwarten wir, dass Österreich die Meinung bezüglich Kroatien ändern könnte“, sagte Tourismusministerin Nikolina Brnjac am Dienstagabend im kroatischen Fernsehen HTV.

Kroatische Behörden weisen darauf hin, dass nicht alle Regionen im Land im gleichen Maß von Corona-Infektionen betroffen sind und appellieren an andere Länder, dies bei ihren Maßnahmen zu berücksichtigen. Ähnlich wie Österreich bereitet auch Slowenien Verschärfungen der Einreiseregel für Kroatien vor.

Slowenien wird am Freitag das Nachbarland auf die sogenannte „rote Liste“ der Länder mit Quarantänepflicht setzen. Wie der Regierungssprecher Jelko Kacin ankündigte, wird die Regierung am Donnerstag eine entsprechende Entscheidung treffen. Slowenische Urlauber, die bis Ende dieser Woche aus Kroatien zurückkehren werden, werden einer 14-tägigen Heimquarantäne ausweichen können. „Tatsache ist, dass sich die Situation in Kroatien dramatisch verschlechtert“, sagte Kacin laut slowenischen Nachrichtenagentur STA.

Laut Kacin dürfte Kroatien schon heute den Grenzwert von 40 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreiten, was in Slowenien die Schwelle für die „rote Liste“ bedeutet. In Kroatien wurde am Mittwoch ein neuer Rekord bei Neuinfektionen gemeldet: binnen 24 Stunden wurden 219 Infektionen mit dem Coronavirus registriert, am Tag zuvor wurden 199 Neuansteckungen verzeichnet.

„Wir haben keine andere Wahl, als unsere Bürger zu drängen, so schnell wie möglich aus dem gefährlichen Land zurückzukehren. Die Situation verschlechtert sich rapide und wird noch schlechter werden“, sagte Kacin. Nach den letzten Informationen befinden sich derzeit rund 160.000 Slowenen in dem Nachbarland.


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