Parasiten befürchtet: 87 Prozent weniger Bachforellen in der Großache

Das Land Tirol nimmt den Fischbestand unter die Lupe. Ein Parasitenbefall wird befürchtet. Temperaturanstieg könnte eine Ursache sein.

Richard Schwarzenberger und Agnes Felber von H&S Limnologie entnehmen die Fische für die Untersuchungen.
© Angerer Harald

Von Harald Angerer

Kirchdorf i. T. – Es werden immer weniger. In nahezu allen Gewässern in Tirol geht der Fischbestand zurück. Doch die Großache im Bezirk Kitzbühel sticht hier negativ hervor. Dabei geht es um den Bestand an Bachforellen. In den vergangenen elf Jahren wurde in Kössen ein Rückgang von 87 Prozent festgestellt. Diese dramatische Entwicklung will das Land nun untersuchen. Dazu wurde eine Pilotstudie in Auftrag gegeben, wie gestern LHstv. Josef Geisler bei einer Pressekonferenz an der Großache in Kirchdorf ankündigte.

Es gilt die Gründe für diese Entwicklung zu klären. „Der Rückgang in der Großache ist dramatisch und wir müssen herausfinden, woran der Rückgang liegt. Es ist vor allem auch deshalb ungewöhnlich, da wir in Tirol mit der Wasserqualität über dem Österreichschnitt liegen“, schildert Geisler an der Mündung Maurerbach/Großache. An dem Gewässer lassen sich auch andere Gründe für einen Rückgang des Fischbestandes ausschließen. So gebe es etwa kein Kraftwerk. Der Hochwasserschutz könne ebenfalls als Auslöser ausgeschlossen werden, da vor allem die Großache viel Naturraum bzw. renaturierte Flächen aufweist. Auch die von der Fischerei ins Treffen geführte Anwesenheit von Fischottern und fischfressenden Vögeln erklärt den artenspezifischen Rückgang der Bachforelle laut Experten nicht. „Der Rückgang insbesondere der Bachforellenpopulation muss demnach mehrere Ursachen haben oder woanders liegen“, sagt Geisler.

Da nur die Bachforelle betroffen ist, gehe man von einer spezifischen Krankheit aus, welche nur diesen Fisch befällt. „Es könnte sich um eine spezielle Nierenkrankheit, die durch einen Parasiten verursacht wird, handeln“, schildert Markus Federspiel, Vorstand der Landesabteilung Wasserwirtschaft. Die vom Land Tirol in Auftrag gegebene Pilotstudie soll nun klären, ob dieser Erreger im Einzugsgebiet der Großache vertreten ist und ob der Fischrückgang in den Tiroler Äschen- und Forellenregionen auf diese spezifische Krankheit oder andere Erkrankungen zurückzuführen ist.

Im Rahmen des Projektes werden nun am Großachenverlauf von Kitzbühel bis zur Staatsgrenze in Kössen Fische entnommen. Dazu kommen noch die Zuflüsse Loferbach, Brunnbach, Kirchdorfer Bach, Maurerbach und Aschauer/Reither Ache. Die folgende Untersuchung wird dann von der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführt. „Die Fische werden mittels Elektrobefischung gefangen. Dabei wird elektrischer Gleichstrom mittels Elektrofanggerät in das Wasser geleitet. Die Fische werden betäubt, aus dem Gewässer entnommen, vermessen und gewogen“, erklärt Andreas Murrer, Leiter des Bereichs Gewässerökologie in der Abteilung Wasserwirtschaft.

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Falls sich tatsächlich PKD (Proliferative Kidney Disease) als Ursache herausstellen solle, dann ist es schwierig, darauf zu reagieren. Denn mit ein Grund für das Auftreten des Erregers ist der Anstieg der Gewässertemperatur. Liegt die Wassertemperatur über 15 Grad, steige die Sterblichkeit der befallenen Fische. „Dann können wir nur mit verstärktem Einsetzen von gesunden Fischen gegensteuern“, erklärt Murrer.


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