Ernst Molden & Friends in Hall: Awarakadawara mit Hawara

Ernst Molden & Friends erfüllten bei der Eröffnung der gleichnamigen Konzertreihe am Mittwochabend im Hofratsgarten der Burg Hasegg einen einen Haller Sommernachtstraum.

Text und Tonzauberer: Walther Soyka, Willi Resetarits, Ernst Molden und Hannes Wirth (v. l.).
© Joachim Leitner

Hall – Wenn Willi ins Reden kommt, zündet sich Commendatore Ernesto eine an – und lauscht. Schließlich weiß man nie, wo einen der Willi hinführt. Aber unterwegs kann man einiges mitnehmen: Kornsackschleppen prägt fürs Leben, Fiakerpferde sind Gewohnheitstiere und südamerikanische Flüsse teilen sich ihre Tendenz zum Braun-Türkisen mit der Glasur von Esterházy-Schnitten.

Am Mittwochabend kam Willi, also Willi Resetarits, besonders gern ins Reden – und der Commendatore, also Ernst Molden, stellte irgendwann fest: „Manche Musiker haben während des Shutdowns ihre Lieder vergessen, wir unsere Moderationen.“ Was wurst ist. Weil es fast so schön ist, Willi Resetarits auf seinen verbalen Umwegen zu begleiten, wie ihn singen zu hören. Fast. Denn dass Resetarits der – O-Ton Molden – „begnadetste Sänger des Landes“ ist, stellte er am Mittwoch einmal mehr unter Beweis. Und dass er es wie kein Zweiter versteht, eine Bass-Ukulele noch während eines Songintros nachzustimmen, auch.

Kurzum: Die Stimmung am Eröffnungsabend der Konzertreihe „Ernst Molden & Friends“ im Hofratsgarten der Haller Burg Hasegg war hochsommerlich entspannt. Auf der Bühne, wo Molden und Resetarits von Walther Soyka (Knöpferlharmonika) und Hannes Wirth (Gitarre) begleitet wurden – und im Publikum des ausverkauften Konzerts. Daran änderten auch die bisweilen dann doch recht dunkelgrauen Lieder nichts.

Im Gegenteil: Nach pandemischen Panikwochen ist die Sehnsucht nach ins Wienerische gewendeter Seelenmusik groß. Auch und gerade weil es in Moldens Lektionen in Text- und Ton-Verdichtungen um alles geht: um Himmel und Hölle, Tod, Teufel und den obersten Oberkellner zwischen Praterallee, Ring- und Landstraße. Und den Liedern trotzdem der Schalk im Nacken sitzt. Und sie federleicht vom Erdenschweren handeln. Und davon, dass es trotzdem immer irgendwie weitergeht.

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Gespielt haben Molden und seine Zusatzfamilie Bewährtes, ungebremst Beliebtes – und hin und wieder noch Ungehörtes, das noch Album werden wird. Alles Einladungen zum Hin-und-weg-Sein.

Zauberhaft war der Abend schon lange, bevor als Zugabe vor der unbarmherzigen Sperrstunde und dem vorbildlich getakteten Abgang auf wie vor der Bühne „Awarakadawara“ angestimmt wurde. Darin fragt sich einer, wo sie den geblieben sind, die Freunde und „Hawara“. Am Mittwochabend fiel die Antwort leicht: Sie saßen alle brav auf Distanz und doch beisammen in Hall.

Heute, ab 20 Uhr, treten dort Sigrid Horn und der Nino aus Wien auf. Es gibt noch Restkarten. (jole)


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