Festwochen der Alten Musik: Spielarten der Poesie und der Liebe

Grace Durhams taufrischer Mezzosopran mit Christophe Roussets Cembalo sowie Gambe und Laute im Dienst Henry Purcells.

Gambist Joshua Cheatham, Cembalist Christophe Rousset, Mezzosopranistin Grace Durham auf der Bühne im Haus der Musik.

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Christophe Rousset ist nicht nur ein faszinierender Vermittler der französischen Barockmusik, sondern auch der frühen britischen Musik. Vor allem Henry Purcell, diese Inkarnation der Poesie, ist bei dem Cembalisten und Dirigenten wunderbar aufgehoben. Bereits 1992 spielte er mit dem Gambisten Wieland Kuijken und der Sopranistin Agnes Mellon – beid­e prägten die Frühzeit der Festwochen mit – Lieder und Tastenmusik aus der posthum erschienenen Purcell-Sammlung „Orpheus Britannicus“ ein. Nun hat Rousset für die Innsbrucker Festwochen gemeinsam mit Joshua Cheatham, Gambe, der Lautenistin Laura Mónic­a Pustilnik und der jungen Londoner Mezzo­sopranistin Grac­e Durham auf die Sammlung zurückgegriffen. Durham gewann, nicht zuletzt mit einer Purcell-Arie, im Vorjahr den Innsbrucker Cesti-Preis für Barockgesang.

Wie verdient das war, zeigt­e sie am Donnerstag in zwei Konzerten im Haus der Musik Innsbruck. Sie weiß von Purcells dramatischer und emotionaler Genialität, von der Vokalöffnung im Schmerz, den Abtönungen, der punktuellen Schärfung der Konsonanten und Verdichtung in Koloratur – von seiner im Klang geborgenen Erfüllung des Textes über die Spielarten der Liebe. Es sei denn, es geht um das verrückte „Bess of Bedlam“, wo der Wohlklang verlassen wird zugunsten jener rasch wechselnden Stimmungsschwankungen, die Purcell so meisterhaft beherrschte. Grace Durham vereinte mit ihrem taufrischen Gesang viel Wohlbekanntes, „If Music Be the Food of Love“, „O Solitude“, „Fly Swift“, „I Came, I Saw“ und anderes, bis hin zu „Sweeter Than Roses“ und „Music for a While“. Und machte deutlich, wie entscheidend diese Lieder und Szenen gewinnen, sind sie muttersprachlich gesungen.

Hochfein grundierten und färbten die Instrumentalisten. Rousset am Cembalo war mit zwei Suiten ein Ereignis, da löste sich das Frage-Antwort-Spiel der Tanzrhythmen in der Leichtigkeit des Seins und Rousset lächelte der jungen Sängerin Mut und Anerkennung zu.


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