Der Papst lacht vom Baugerüst an Kirche in Karres

Die Bauarbeiten an der Stefanuskirche in Karres sind weithin sichtbar. Ein Transparent mit dem Konterfei von Papst Franziskus erregt Aufsehen. Auch ein Fund im Augsburger Domkapitel ist spektakulär.

Mittels Plakat wird auf die Außenrenovierung der St.-Stefanus-Kirche aufmerksam gemacht.
© Parth

Karres – Johannes Laichner ist Pfarrer sowie Leiter des Seelsorgeraums Inntal und überdies promovierter Archäologe. Nun fügt er seinem Berufsprofil noch „Bauleiter“ hinzu, wird doch aktuell unter seiner Aufsicht die Kirche in Karres renoviert. Und tatsächlich förderten die Grabungen rund ums Kirchengemäuer Historisches zutage. Letztlich muss wohl sogar die Dorfgeschichte von Karres umgeschrieben werden.

Erwähnung fand Karres in einem Güterverzeichnis von Meinhard II. im Jahr 1288. Nach Recherchen im Landesarchiv fand Pfarrer Laichner heraus, dass „Cherres“ bereits um 1099 in einer Besitzaufzeichnung des Augsburger Domkapitels Erwähnung fand. „Den Bürgermeister hat es sehr gefreut, dass sein Ort damit gleich um knapp 200 Jahre älter ist als bislang angenommen“, frohlockt auch der Gottesmann über diese Entdeckung. „Der Wein, der von Bozen nach Augsburg geliefert wurde, musste vermutlich in Karres zwischengelagert werden. Die Händler kamen über den Brenner bis Zirl und durch das Inntal herauf, machten Rast und wechselten die Pferde“, liefert Laichner eine plausible Erklärung: „Dann ging es weiter über die Via Claudia Augusta bis Augsburg. Damit hat die Kirchenrenovierung eine unmittelbare Auswirkung auf die Geschichte des Dorfes.“

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Die Renovierungsarbeiten versuchen den gotischen Zustand wieder herzustellen. Dabei traten auch die ursprünglichen Fundamente zutage, die dann von den Baumeistern der Spätgotik überbaut wurden. „Die alten Fundamente waren so gut, dass man sie weiter verwenden konnte, immerhin müssen sie auch heute noch den Karrer Kirchturm mit seinen stattlichen 64 Metern Höhe tragen“, unterstreicht Laichner. Als Diözesandirektor der päpstlichen Missionswerke schmückte der umtriebige Geist kurzerhand den eingerüsteten Kirchturm mit einem Plakat. Dieses zeigt Papst Franziskus mit einem afrikanischen Kind auf dem Arm. Darunter ist eine Anspielung auf ein Gleichnis Jesu zu lesen: „Bau nicht auf Sand, bau auf Gott.“ Weithin ist dieses Statement sichtbar.

Der Seelsorger von Karres, Johannes Laichner, macht mittels Plakat auf die Außenrenovierung der St.-Stefanus-Kirche aufmerksam. Interessantes tritt zutage.
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In den 1970er-Jahren meinte man es zu gut und verputzte die Kirchenmauern mit Zement. Weil der Zement jedoch eine hohe Spannung aufweist, greift er nun den weicheren Tuffstein darunter zu stark an. In den sensiblen Bereichen am Fundament wird nun der Zementputz entfernt und fachmännisch ersetzt. Für Pfarrer Laichner sind die jetzt laufenden Arbeiten ein logischer Schritt, nachdem bereits 2014 der Innenraum und das Kirchendach restauriert wurden.

„Daraus ist eine gewisse Dynamik in der Kirchengemeinde entstanden. Ich sehe die Renovierungsarbeiten als versteckte Seelsorge, weil eine positive Stimmung im Dorf um sich greift“, attestiert Laichner.

Die Arbeiten am Fundament sowie die Bemalung der Kirche im historischen gelben Farbton mit roten Akzenten sollen gut 230.000 Euro kosten. (top)


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