Mattersburg: Pleite-Bank bringt Justiz und Aufsicht in Bredouille

Ex-Commerzialbank-Chef Pucher legte ein Geständnis ab. Bereits 2015 meldete ein Informant Details zu falschen Konten an die Behörden – ohne Ergebnis.

Bereits vor fünf Jahren soll es Hinweise auf Betrügereien bei der inzwischen insolventen Mattersburger Commerzialbank gegeben haben.
© APA

Mattersburg, Wien –Ex-Commerzialbank-Chef Martin Pucher legte bei seiner Einvernahme ein Geständnis ab. Es tue ihm alles leid, sagte er laut ORF, der aus dem Einvernahmeprotokoll zitierte. Pucher habe gestanden, dass es „ganz einzelne Fake-Kredite“ schon vor 1992 gab. Zu den Geschädigten gehörten auch seine Töchter, die ein Firmenkonto gehabt hätten. „Ganz grob geschätzt würde ich sagen, dass ich seit 1992 rund 40 Mio. unrechtmäßig entnommen habe. Dieses Geld ist zur Gänze an den SV Mattersburg geflossen. Darüber hinaus habe ich auch Kreditnehmer durch Bargeldübergaben begünstigt“, so Pucher laut dem Protokoll.

Vier Kreditnehmern, wovon einer im Bank-Aufsichtsrat gesessen sei, habe er Geld gegeben, damit ihre maroden Betriebe weiterarbeiten könnten und damit die Bank frühere Kredite nicht verliere. Die Kreditnehmer hätten dann fingierte Rechnungen an fiktive Kunden ausgestellt und diese Rechnungen mit dem Bargeld bezahlt.

Den SV Mattersburg belogen

Bei anderen Kreditnehmern sei es um kleine Bargeld-Beträge gegangen. „Verschleiert habe ich das durch Fake-Kredite und gefälschte Bankbestätigungen“, wird Pucher zitiert. Bank-Vorständin Franziska Klikovits – für sie gilt die Unschuldsvermutung – soll „die Bargeldbeträge teilweise auch selbst in die Hand bekommen“ haben. „Die Verschleierungshandlungen wurden zur Gänze von Frau Klikovits durchgeführt, ursprünglich in meinem Auftrag“, so Pucher.

Den SV Mattersburg habe er belogen, gestand Pucher: Er habe „gesagt, dass das Geld aus dem Sponsoring kommt“. Dass er oder seine Familie sich bereichert hätten, bestreitet Pucher, er habe auch niemanden gewarnt vor dem Aus für die Bank.

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Der Ex-Bankchef hält es laut dem Einvernahmeprotokoll vom 30. Juli „für möglich, dass zwei oder drei Leute einen Verdacht gehabt haben, weil sie die Bank verlassen haben“. Zwei seien freiwillig gegangen, einen habe er gekündigt. Einer der drei habe ihn einmal darauf angesprochen, „dass bei unseren Krediten etwas nicht stimmt“.

"Martin Pucher schafft seit Jahren Millionen zur Seite

2015 wandte sich ein Informant aus der Commerzialbank an die Behörden. Der Mann oder die Frau meldete sich schriftlich bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), es wurde auf die Unregelmäßigkeiten in der Bank hingewiesen. „Vorstandsvorsitzender Martin Pucher schafft seit Jahren Millionen zur Seite“, hieß es. Sogar die Merkmale der Fake-Konten – Familiennamen in Großbuchstaben sowie die Tatsache, dass die ersten beiden Ziffern immer 58 lauten – wurden genannt.

Die Staatsanwaltschaft hatte laut ORF versucht zu sondieren, ob die anonyme Anzeige stimmen könne, und habe die Finanzmarktaufsicht vom Inhalt informiert. Daraufhin seien die Nationalbankprüfer, die gerade in Mattersburg bei einer Prüfung der Commerzialbank tätig gewesen seien, darüber informiert worden. Doch weder FMA noch OeNB-Bankprüfer hätten die Vorwürfe verifizieren können.

Die Prüfung durch die Nationalbank habe 2015 zwar 65 kleinere Kritikpunkte ergeben, jedoch nichts im Hinblick auf Betrug. (APA, TT)


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