Terfener steigen wegen geplanter Deponie auf die Barrikaden

Der Bürgermeister von Terfens plant als Unternehmer eine Deponie angrenzend an ein Wohngebiet.

Viele Terfener wollen die geplante Deponie nicht einfach so hinnehmen und setzen sich zur Wehr.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Terfens – Die Enttäuschung in Terfens ist groß. „Wir verstehen nicht, wieso man uns so schaden will“, sagt eine Anwohnerin. Denn im Ortsteil Neu-Terfens soll eine Aushubdeponie entstehen – direkt neben einer Wohnsiedlung. Rund 30 Terfener haben sich gestern spontan und als Einheit gegen die geplante Deponie aufgestellt. Sie fühlen sich überrumpelt und überfahren. Denn das Ansuchen für die knapp 9800 m² große Deponierung mit 27.000 m³ Material entdeckten sie zufällig auf der Amtstafel. „Und das, was mich am meisten enttäuscht, ist ja, dass der Antragsteller unser eigener Bürgermeister ist“, sagt ein Terfener.

BM Hubert Hußl hat nämlich ein Erdbau-Transporte-Unternehmen und bereits zwei weitere (Zwischen-)Deponien in Terfens. Die Gemeinde hat jedoch keine Parteistellung. Laut BM Hußl laufe das Verfahren ordnungsgemäß und die Entscheidung fällen Bezirkshauptmannschaft und Land Tirol. Eine Stellungnahme wollte er daher keine abgeben.

Auf die Seite der betroffenen und besorgten Bürger stellt sich hingegen VBM Hans Hußl mit seiner Liste TOM. „Sowohl für uns als auch für die Anrainer ist es unverständlich, dass der Bürgermeister der Gemeinde Terfens als Projektwerber eine solche Deponie mitten im Siedlungsgebiet plant“, sagt Hans Hußl. Bei einem Lokalaugenschein mit zahlreichen Anrainern wird eines klar: Sie sorgen sich. Denn die Deponie werde nicht nur mehr Verkehr und Lärm mit sich bringen, sondern für die Fläche müssen erst noch 6000 m² Mischwald gerodet werden. „Besseren Schallschutz als diesen Wald gibt es nicht. Außerdem zählt er zu einem der wenig übrig gebliebenen Talwaldflächen Tirols. Der gesellschaftliche Wert ist unermesslich“, sagt Albert Krieglsteiner. Anrainer Gerhard Mayr hat das naturschutzrechtliche Gutachten gelesen: „Das besagt, dass der Wald nicht besonders schützenswert sei, wegen der Bahn, die direkt daneben verläuft. Aber genau deshalb ist er ja so wertvoll für uns hier. Er ist ein natürlicher Lärmschutz.“ Zudem würde die Zufahrt jede Menge Feinstaub in dieser Föhnlage aufwirbeln. VBM Hußl kritisiert zudem, dass der Lokalaugenschein der Naturkunde im Winter erstellt wurde. „Da sind die Brutvögel nicht in Tirol und viele andere Tiere in Winterstarre oder -schlaf“, erklärt VBM Hußl.

Doch nicht nur die Bewohner dieses Ortsteils fühlen sich betroffen. „Ich wohne im Ortskern und der Verkehr zur Deponie wird sich durch den ganzen Ort ziehen“, sagt eine Terfenerin. Ein anderer will seine keine Kinder nicht mehr alleine in die Schule gehen lassen. „Das wird mir dann zu gefährlich, die Autos und Lkw fahren so schon ständig auf den Gehweg“, sagt er.


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