NBA-Legionär Pöltl glaubt an Verbleib in San Antonio

Auf Österreichs NBA-Legionär Jakob Pöltl warten spannende Wochen abseits des Parketts. Der Wiener ist nach vier Jahren in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga erstmals eingeschränkt vertragslos. Einen Verbleib bei den San Antonio Spurs kann er sich aber „gut vorstellen“, betonte der 24-Jährige am Freitag zu Beginn seines Heimaturlaubes in Wien.

Pöltl sprach von einer Saison mit „gemischten Gefühlen“. Die Spurs verpassten zwar den Play-off-Einzug, boten bei der Saisonfortsetzung nach der Corona-Pause aber starke Vorstellungen. Auch Pöltl selbst machte in Abwesenheit einiger Stammspieler auf sich aufmerksam, kam in den acht Spielen in der „Bubble“ in Orlando im Schnitt auf 7,4 Punkte und 7,4 Rebounds.

„Man hat gesehen, dass wir Potenzial haben“, meinte Pöltl. „Es kann auch mit einer jungen Truppe sehr gut funktionieren. Es wäre eine coole Sache, wenn wir das über ein paar Jahre machen könnten.“ Die Entscheidung über einen Verbleib liegt aber nur bedingt bei ihm. Pöltl ist nur eingeschränkt vertragslos („Restricted Free Agent“). Die Spurs können mit jedem Angebot eines Konkurrenzteams gleichziehen, um den Center zu halten.

Der Beginn der Transferperiode ist für Mitte Oktober geplant, könnte sich aber noch nach hinten verschieben. Gespräche wird es aber schon davor geben. „Wir stehen vor sehr vielen Fragezeichen“, erklärte Pöltl. Offen ist, ob die neue Saison wegen des Coronavirus erneut ohne Fans startet - möglicherweise sogar wieder in einer isolierten Umgebung. Dazu kommt der ungewisse Beginn. NBA-Chef Adam Silver hat zuletzt einen späteren Termin als den anvisierten 1. Dezember ins Spiel gebracht.

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Die Coronakrise könnte wegen fehlender Einnahmen auch den Budget-Spielraum der Clubs einschränken. „Ich kann mir vorstellen, dass einige Teams ein bisschen vorsichtiger agieren“, meinte Pöltl. „Ich hoffe trotzdem, dass ich ein gutes Angebot bekomme und bei einem Team lande, bei dem ich meine Rolle gut ausfüllen kann. Wenn es dann aufgrund der Corona-Situation vielleicht ein bisschen weniger (Gehalt) ist, wäre das für mich auch okay.“

In seinen vier NBA-Saisonen hat Pöltl bisher insgesamt 12,2 Millionen Dollar (10,3 Mio. Euro) verdient. Er steht in einer Phase seiner Karriere, in der er das Sportliche über das Finanzielle stellt. „Den Wert, den ich als Basketballer habe, möchte ich bezahlt bekommen“, erklärte der Österreicher. „Es geht mir nicht darum, so viel wie möglich herauszubekommen. Ich will gewinnen und mich als Basketballer weiterentwickeln.“

Die erste Anlaufstelle dafür scheint im Moment San Antonio - auch wenn Pöltl mit seiner Reservistenrolle im Saisonverlauf nicht restlos zufrieden war. „Ich glaube, dass ich auch den Spurs gegenüber gezeigt habe, dass ich gut in dieses Konzept reinpasse. Ich glaube, es ist durchaus realistisch, dass ich in San Antonio bleiben werde.“

Mitentscheidend für die Höhe des Angebotes dürfte die Zukunft von LaMarcus Aldridge sein. Der Topcenter der Spurs, der in Orlando wegen einer Schulterverletzung gefehlt hat, steht noch ein Jahr unter Vertrag, hat seinen Zenit aber bereits überschritten. Pöltl zeigte in Abwesenheit des 35-Jährigen auf. „Ich habe bewiesen, dass ich auch mit mehr Minuten umgehen kann und effektiv sein kann.“

In den kommenden ein bis zwei Wochen will Pöltl seine freie Zeit in Österreich genießen, danach mit Kraft- und Individualtraining starten. Die laufenden Play-offs verfolgt er vorerst nur am Rande. „Favorit sind auf dem Papier immer noch die Los Angeles Lakers, auch wenn sie sich in der Bubble noch nicht so gut präsentiert haben“, meinte Pöltl.

In der Eastern Conference hat er neben den Boston Celtics und Milwaukee Bucks auch sein Ex-Team Toronto Raptors auf der Rechnung. Die Chance auf Überraschungen sei durch die speziellen Umstände größer. Pöltl: „In der Bubble ist alles enger zusammengerückt. Es gibt keinen Heimvorteil.“ Auch Toronto habe eine „realistische Chance“, den Titel aus dem Vorjahr erfolgreich zu verteidigen.


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