Applaus für „L‘empio punito“ bei Innsbrucker Festwochen

Die Premiere der Oper „L‘empio punito“ von Alessandro Melani ist am Freitag bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik im „Haus der Musik“ in der Tiroler Landeshauptstadt mit tosendem Applaus und Bravo-Rufen der Besucher über die Bühne gegangen. Das eher unbekannte Opernwerk stellte sich als leichtsinniges Opernkleinod mit enormen Stimmungsschwankungen heraus.

Die Oper zeigte sich - zumindest inhaltlich - als „Don Giovanni“ und war es zugleich ganz und gar nicht. Die abgründige Musik von Mozarts Opernmeistwerk war fern, die Charaktere schienen eher einfach gezeichnet. Beides erwies sich aber nicht als Nachteil. Der Abend wurde dadurch zu einem Feuerwerk an überwiegend ad hoc zugänglicher Musik, die einen genau deshalb vom lustvollen Klamauk in abgrundtiefe Trauertäler stoßen konnte.

Die Geschichte ist so einfach wie zugleich auch unfassbar verwirrend. Die Liebesgeflechte sind kaum zu entwirren, das Begehren nach dem jeweils falschen Anderen zentral, Verletzungen und Arien, die Verletzungen thematisieren, absolute Dauerbrenner. Am Ende landet „Don Giovanni“, hier Acrimante, in der wohlverdienten Hölle, wobei auch die anderen Akteure keine Kinder von Traurigkeit sind.

Weit beeindruckender als dieses Verwirrspiel waren aber Musik und Bühnenbild. Regisseurin Silvia Paoli griff zusammen mit der Bühnenbildnerin Andrea Belli tief in die Trickkiste und ließ die Protagonisten der Oper im Liebestaumel nicht nur sprichwörtlich, sondern haptisch an roten Bändern als Marionetten durch ihr Liebesleben torkeln. Das Barockorchester unter der musikalischen Leitung von Mariangiola Martello musizierte dazu packend, abenteuerlustig und mit der bei Originalklang notwendigen Präzision.

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Ohne Längen blieb die knapp über zwei Stunden dauernde Oper dennoch nicht. Vor allem im dritten Akt kam man nicht umhin, sich Acrimante fast schon in die Hölle zu sehnen und damit dem Ende näher zu kommen. Dafür versöhnten wunderbare Gesangspassagen, von denen besonders diejenigen von Theodora Raftis als Atamira herausragten. Bei all der sonstigen Leichtfüßigkeit, den teils aberwitzigen Kostümen und der omnipräsenten Schlüpfrigkeit der Szenen berührte ihr Gesang tief.

Das sah auch das Publikum so und schenkte ihr im Schlussapplaus einige euphorische Bravo-Rufe. Ebensolche gab es auch für die musikalische Leiterin des Abends, in abgeschwächter Form auch für die Regisseurin. Insgesamt schien das Publikum aber vor allem die eindrucksvolle Ensembleleistung zu goutieren. Tosender und lang anhaltender Applaus für sämtliche Beteiligten war die Folge.

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