„Markt in Tirol ist leer": Sorge bei Unternehmern, dass Kurzarbeit verwöhnt

Obwohl die Zahl der Arbeitslosen hoch ist, bleibt die der Bewerber in manchen Branchen niedrig. Die Kurzarbeit drücke zudem die Arbeitsmoral, klagen Unternehmer.

In Tirol fehlen laut Wirtschaftskammer 2000 Facharbeiter.
© Ikonoklast

Von Anita Heubacher

Innsbruck – Viel Freizeit, achtzig bis neunzig Prozent des Gehalts. Für manche ist das Kurzarbeitsmodell in der Corona-Krise ein richtig guter Deal, für andere ist sie existenzbedrohend.

„Nach Wochen der Kurzarbeit ist bei manchen Arbeitnehmern die Motivation nicht mehr da. Die haben sich an die viele Freizeit gewöhnt“, meint Unternehmer Georg Malojer. Seine Baumanagement-Firma hatte auch während des Lockdowns zu tun und keine Kurzarbeit. Malojer merkt es bei den Bewerbern. Deren Zahl sei trotz hoher Arbeitslosigkeit nicht gestiegen. „Der Markt in Tirol ist leer. Daran hat auch Corona nichts geändert.“

„Was sich da auf offene Stellen bewirbt, da kommen einem die Tränen. Der Markt in Tirol ist leer.“ – Georg Malojer (Unternehmer, Baumanagement )
© Malojer

Seit Langem sucht der Unternehmer zwei bis drei HTL-Absolventen oder Architekten. Ohne Erfolg. „Was sich da bewirbt, da kommen einem die Tränen.“ Manche Bewerber könnten schlecht Deutsch, hätten aber einen Bachelor einer Fachhochschule, andere von der Universität seien zwar Künstler, aber keine Architekten und könnten nicht einmal einen Bebauungsplan lesen.

Corona habe weder die Misere bei den besser gebildeten Arbeitnehmern noch jene bei den Facharbeitern oder Lehrlingen behoben. „Niemand will mehr arbeiten.“ Sauberkeit, Ordnung, Sicherheit, das SOS auf der Baustelle, sei Schnee von gestern. Daran halte sich niemand mehr. „Die Zahl der Schäden auf den Baustellen hat enorm zugenommen.“

Malojer hat im Laufe von 40 Jahren von 78 Mitarbeitern auf zehn abgebaut. Für die Stellen, die er noch zu besetzen hat, wendet er sich an Headhunter, aber auch ans Arbeitsmarktservice. „Es gab eine Vermittlung. Der wollte aber nur einen Stempel“, erzählt der Unternehmer hörbar gefrustet. „Den hat er nicht bekommen.“

Es gebe mehr Arbeitslose und weniger Stellen, sagt der Chef des Arbeitsmarktservice, AMS, Anton Kern. Vermittelt würde fleißig. Von 1544 offenen Stellen im Juli für Lehrlinge seien 1287 Stellen besetzt worden. Den Facharbeitermangel habe Corona nicht verändert. „Die Facharbeiter sind bereits beschäftigt oder in Kurzarbeit.“

„Der Facharbeitermangel hält trotz Corona an. Es gibt 750 offene Lehrstellen, aber keinen Bewerber.“ – Franz Jirka (Spartenobmann Baunebengewerbe)
© Rachlé

323.000 Beschäftigte wurden laut AMS Ende Juli registriert. Corona hat sogar in manchen Branchen für ein Plus an Beschäftigten gesorgt. Den größten Zuwachs hat es im Gesundheits- und Sozialwesen gegeben. 515 Arbeitnehmer mehr in diesem Bereich. „Vor allem gestiegen ist der Bedarf an Kinderbetreuern und Pflegern.“ Am Bau sind demnach 250 Mitarbeiter mehr tätig als im Jahr zuvor.

Von 750 offenen Lehrstellen und keinem Bewerber weiß indes der Spartenobmann Gewerbe und Handwerk, Franz Jirka, zu berichten. Daran habe Corona nichts geändert. Dazu stellt auch Jirka ein gewisses Maß an Trägheit fest. „Die Leute nach der Kurzarbeit zu animieren, ist schwer. Die sind jetzt wenig arbeiten gewöhnt.“

Corona hat vor allem dem Bau- und dem Baunebengewerbe volle Auftragsbücher beschert. Auf Handwerker muss man lange warten, vor allem, wenn es um Kleinaufträge geht. „Da hat sich ein Rückstau gebildet und es gibt einfach viele Kunden, die jetzt in ihr Heim investieren wollen.“ Der Lockdown habe gezeigt, wie wichtig ein angenehmes Umfeld sei.

So wie schon vor Corona können Tirols Betriebe Aufträge nicht annehmen, weil Personal fehlt.


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