Synagogen-Angriff: Grazer Polizei nimmt Verdächtigen fest

Die Grazer Polizei hat am Sonntagabend bei der Fahndung im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, einen Verdächtigen festgenommen. Ein Polizeisprecher bestätigte auf APA-Anfrage entsprechende Online-Medienberichte. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verkündete via Twitter, dass zwei Beamte den Verdächtigen festgenommen hätten.

Der Mann wird für sieben Delikte in Graz verantwortlich gemacht. Es geht um Sachbeschädigungen durch Steinwürfe und Schmieraktionen, unter anderem gegen die Synagoge Graz, in einem Fall soll er es auch auf ein Etablissement im Rotlichtmilieu abgesehen haben. Ersten Informationen aus dem Innenministerium zufolge zeigte sich der Mann geständig. Die Einvernahme war in der Nacht noch im Gange. Details über die Aussage des Verdächtigen, seine Herkunft und Motivation würden wohl erst in den frühen Morgenstunden bekanntgegeben werden können, hieß es auf Anfrage der APA aus dem Innenministerium.

Laut Berichten der „Kleinen Zeitung“ und der „Krone“ soll es sich bei dem Festgenommenen um einen syrischen Staatsbürger handeln, der vor sechs Jahren nach Österreich gekommen ist. Der Mann soll auf einem Fahrrad unterwegs gewesen sein, als er von Beamten anhand der Fahndungsfotos erkannt wurde.

Die Staatsanwaltschaft Graz hatte am Sonntag Bilder der Überwachungskamera veröffentlicht: Sie zeigen jenen Mann, der am Mittwoch und in der Nacht auf Samstag die Außenwand der Synagoge beschmiert bzw. Betonteile gegen die Fenster des Gebäudes geworfen hatte.

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zeigte sich beim Pressegespräch in der Grazer Burg betroffen: „Was sich in den letzten Tagen in Graz abgespielt hat, ist menschenverachtend und zutiefst verwerflich. Antisemitismus hat in der Menschenrechtsstadt Graz und in der Steiermark, ein Land der Vielfalt, auch der Religionen und Kulturen, nichts zu suchen.“

Seit dem Zweiten Weltkrieg sei die jüdische Gemeinde in Graz nicht mehr derart angegriffen worden. Daher gebe es nun den „Schulterschluss“ zwischen Stadt und Land über Parteigrenzen hinweg, erklärte Schützenhöfer mit Blick auf den Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP), LHStv. Anton Lang (SPÖ) und Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ), die alle beim Pressegespräch ebenfalls ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zum Ausdruck brachten.

Elie Rosen sagte am Tag nach dem tätlichen Angriff auf ihn: „Ich glaube jede physische Attacke hat, auch wenn sie keine physischen Folgen hat, durchwegs einen psychischen Impact. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es geht mir ganz locker. Ich bin dabei das zu verarbeiten. Es ist nicht nur die physische Attacke gegen mich, sondern die Attacken gegen die jüdische Gemeinde per se. Wir werden uns nicht unterkriegen lassen und ich auch nicht. Wir schauen positiv in die Zukunft.“

Bei einer Solidaritätskundgebung marschierten die Menschen vom Grazer Hauptbahnhof zur Synagoge und sangen: „Schulter an Schulter gegen Rassismus“. Auf den Schildern und Plakaten war zu lesen „Never again“ oder auch „Never forget, never again“. Aus dem Lautsprecher dröhnte beispielsweise „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten. Die Kundgebung wurde von den Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH) organisiert und auch zahlreiche Regional- und Lokalpolitiker nahmen daran teil: Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ), Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP), die KPÖ-Stadträte Elke Kahr und Robert Krotzer, Grünen-Stadträtin Judith Schwentner und ihr Klubobmann Karl Dreisiebner, SPÖ-Chef Michael Ehmann und NEOS-Klubobmann Niko Swatek.

Lara Guttmann, Sprecherin der JöH aus Wien, bedankte sich bei den Teilnehmern für das „Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus“. Sie meinte, dass es „nicht die Tat eines verwirrten Einzeltäters“ gewesen sei, sondern Antisemitismus sei ein politisches System. Sie bedauerte in ihrer Ansprache, dass etwa die jüdische Schule in Wien mehr einem Gefängnis als einer Schule gleichen müsse - zum Schutz der Schüler. Manche der Redner kritisierten auch einen vermeintlich zu laschen Einsatz der Polizei nach den ersten Anzeichen in Graz.

Auch die UNO verurteilte den antisemitischen Anschlag am Sonntag. Der antisemitische Angriff auf Rosen sowie der Vandalismus in der Grazer Synagoge seien „verabscheuungswürdige Verbrechen“, so der Hohe Repräsentant für die Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen (UNAOC), Miguel Moratinos, am Abend in einer Aussendung.


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