Journalist nach Festnahme in Mexiko gestorben

In Mexiko ist ein Journalist unter ungeklärten Umständen in Polizeigewahrsam gestorben. Das Büro des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Mexiko forderte am Sonntag in einer Mitteilung eine umfassende und unparteiische Untersuchung des Falls.

Juan Nelcio Espinoza, ein Reporter des Lokalsenders Valedor TV, war in der Nacht zum vergangenen Freitag zusammen mit einem Kollegen wegen angeblicher Gewalt gegen Sicherheitskräfte festgenommen worden, nachdem er in der Stadt Piedras Negras an der US-Grenze über eine Schießerei berichtet hatte.

Die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Coahuila teilte am Freitag mit, Espinoza habe Atemprobleme gehabt und sei in ein Krankenhaus gebracht worden, wo er kurz darauf gestorben sei. Angehörige des Journalisten warfen den Sicherheitskräften vor, ihm den Hals aufgeschlitzt zu haben. Nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros berichteten Verwandte von Espinoza, Polizisten hätten ihm zuvor gedroht.

Mexiko gilt als gefährlichstes Land für Journalisten außerhalb von Kriegsgebieten. Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen wurden dort im vergangenen Jahr zehn Journalisten und Medienschaffende im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet - zusammen mit dem Bürgerkriegsland Syrien die meisten weltweit. In diesem Jahr wäre Espinoza der fünfte.

In der ersten Jahreshälfte 2020 wurden in Mexiko, das knapp 130 Millionen Einwohner hat, in der offiziellen Statistik 98,8 Mordopfer pro Tag gezählt - noch etwas mehr als im Vorjahr. Die Gewalt in dem nordamerikanischen Land geht zu einem großen Teil auf das Konto von Kartellen und Banden, die oft Verbindungen zu Sicherheitskräften haben. Die meisten Verbrechen werden in Mexiko nie aufgeklärt, geschweige denn geahndet. Am Samstag wurde allerdings ein mutmaßlich hochrangiges Mitglied eines Drogenkartells wegen des Mordes an einer Journalistin im Jahr 2017 zu 50 Jahren Haft verurteilt.


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