107. Tour de France wird in Nizza eröffnet: Ein Symbol der Wiedergeburt

Am Samstag wird die 107. Tour de France, das Radrennen schlechthin, in Nizza eröffnet. 21 Etappen lang heißt es bangen: Zwei positive Corona-Tests führen zum Team-Ausschluss.

Der Tour-Tross an der Mauer von Geraardsbergen (2019). Ohne Fans? Für viele unvorstellbar.
© imago

Nizza – Ab Samstag soll in Frankreich die 107. Tour de France in Nizza mit zweimonatiger Verspätung und vielen Einschränkungen losrollen – aber trotzdem mit Zuschauern. Wie sieht die Lage aus?

Die Kurve steigt weiter an: Frankreich verzeichnete in den vergangenen Tagen einen starken Anstieg der Infektionszahlen, teilweise wurden mehr als 4000 Personen am Tag positiv auf das Virus getestet.

Es muss gefahren werden: Die Tour startet am Samstag in Nizza, Zuschauer werden am Straßenrand zugelassen sein, wenngleich es Einschränkungen geben wird. Die „Große Schleife“ ist schließlich ein französisches Nationalheiligtum und gehört in der Grande Nation zum Sommer wie der Wein zum Essen. Außerdem gehen 70 Prozent der Werbeeinnahmen im Radsport auf die Tour zurück.

Der Hauptverantwortliche ist zuversichtlich: Tour-Chef Christian Prudhomme verspricht mit staatstragenden Worten: „Diese Tour wird ein Symbol der Wiedergeburt und des wirtschaftlichen Aufschwungs sein.“ Der Ex-Journalist wählt eindringliche Worte an die Fans an der Strecke. „Tragt Masken! Für die Zuschauer muss klar sein: Ich liebe das Rad, ich liebe die Tour. Und der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass ich eine Maske tragen muss.“

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Die Zuschauer müssen sein: Diesmal wird alles kleiner sein. Wo im vorigen Jahr bei der Team­präsentation in Brüssel 75.000 Fans die Fahrer feierten, werden heuer nur 1750 Gäste zugelassen. Alle mit Maske, denn das ist seit letzter Woche in der Hauptstadt der Côté d’Azur auch im Freien Pflicht. Aber die Fans ganz auszusperren, kommt nicht in Frage. „Eine Tour hinter verschlossenen Türen macht keinen Sinn“, sagt Tour-Chef Prudhomme.

Der Wissenschafter warnt: Der deutsche Pharmakologe Fritz Sörgel hält die Austragung der Tour de France mit Zuschauern am Straßenrand für unverantwortlich. „Die Hygienebedingungen sind da nicht einzuhalten. Wenn sich die Situation in Frankreich weiter verschlechtert, und es wird jetzt täglich schlechter, dann kann man es nicht zulassen.“ Und bei zehn bis zwölf Millionen Zuschauern werde das passieren.

Alles wird kleiner: Auf den 21 Etappen bis Paris sind im Start- und Zielbereich maximal 5000 Zuschauer vorgesehen, der Zugang zu den Bergetappen soll stark eingeschränkt werden. Und auch sonst wird der gewaltige Tross (Fahrer, Offizielle, Journalisten, Sponsoren) von 5000 auf 3000 Personen verkleinert.

Zwei Positive, ein Ausschluss: Die Fahrer werden dreieinhalb Wochen in ihrer eigenen Blase unterwegs sein. Eine zweite Blase umfasst die Entourage, den dritten Bereich stellt die Öffentlichkeit dar. Diese so genannten Bubbles sollen nicht miteinander in Kontakt treten. Zwei positive Tests innerhalb eines Teams – neben den acht Fahrern gehört auch der rund 20-köpfige Betreuerstab dazu – sollen zum Ausschluss der Mannschaft führen. Salopp gesagt: Sind der Busfahrer und der Masseur positiv, ist der Tour-Traum beendet.

Doping- und Corona-Tests sind angesagt: Zweimal vor der Tour sowie an den beiden Ruhetagen werden sich die Fahrer einem Covid-19-Test unterziehen. Nicht nur die Dopingfahnder könnten für unliebsame Überraschungen wie plötzliche Ausschlüsse im Peloton sorgen.

Politik stärkt den Rücken: „Es wird eine komplizierte Zeit für die Teams und die Behörden sein“, sagt Sportministerin Roxana Maracineanu, die im Austausch mit dem Veranstalter steht. „Wir müssen uns anpassen, aber trotzdem muss der Sport weiterleben, um zu existieren.“

Siegerehrung unter Corona-Bedingungen: Keine Küsschen, Hostessen fehlen, formlos bekommen die Fahrer ihre Trikots überreicht – unter Maskenpflicht. Teamchef Ralph Denk (Bora-hansgrohe) merkt an: „Im Rennen fahren die Fahrer noch nebeneinander. Da steckt viel Politik dahinter.“ (dpa)


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