Kaiser bemängelt nach Stau-Chaos zu wenig Austausch

Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hat am Montag nach dem am Wochenende durch die Corona-Kontrollen ausgelösten Stau-Chaos an Kärntens Grenze zu Slowenien zu wenig Austausch zwischen den einzelnen Behörden bemängelt. „Lieber mehrmals zu viel miteinander kommunizieren, als einmal zu wenig“, sagte Kaiser in einer kurzfristig anberaumen Pressekonferenz.

Kaiser betonte, es gehe ihm nicht darum, politisches Kleingeld zu wechseln: „Ich möchte nicht Schuldzuweisungen aussprechen und kritisieren, was man alles anders hätte machen können. Wichtig ist aber, dass so etwas nicht mehr passiert und dass wir Schlussfolgerungen aus den Vorgängen ziehen.“ In schwierigen Situationen sei die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Behörden und Ebenen bedeutend: „Am Anfang der Krise hat das sehr gut funktioniert, es hat nahezu zwei bis drei Mal wöchentlich direkte Videokonferenzen gegeben. Das hat in letzter Zeit spürbar abgenommen, was ich auch kritisiert habe. Ich habe darum gebeten, dass es mehr Zusammenarbeit gibt.“

Nach dem Stau-Chaos in Kärnten hieß es am Montag unterdessen seitens des Leibnitzer Bezirkshauptmannes, dass man die Verordnung in der Steiermark „anders ausgelegt“ habe. Der ÖAMTC sprach nach der Situation am Karawankentunnel am Wochenende von einer absoluten „Ausnahmesituation“.

Da die Verordnung anders ausgelegt wurde - und weil weniger deutsche Urlauber durchreisen wollten - sei es in Spielfeld zu keinem Mega-Stau gekommen. Bezirkshauptmann Manfred Walch sprach von Widersprüchen in der Novellierung: „Zuerst hieß es, die Bestimmung sei verpflichtend für Durchreisende auch ohne Zwischenstopp, dann steht aber, die Behörde sei berechtigt. Was denn jetzt?“ Walch habe schon vor einer Woche auf das Thema hingewiesen und für ihn sei ein derartiger Stau zu erwarten gewesen. Darum habe er den Erlass gleich anders ausgelegt und „das ist aus meiner Sicht auch zulässig“. In Spielfeld mussten daher durchreisende Urlauber kein Formular ausfüllen. Nur, wenn sich die Zuständigen unsicher waren, musste eine Verpflichtungserklärung abgegeben werden.

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Er könne aber nachvollziehen, warum die Kollegen in Kärnten die Verordnung anders ausgelegt haben und allen das Formular zum Ausfüllen reichten. Man wollte wohl auf der sicheren Seite sein, denn als Beamter sei man immer häufiger mit Amtsmissbrauchsvorwürfen und -verfahren konfrontiert - siehe Bundespräsidentenstichwahl. Sollte er nun wegen seiner Auslegung der Verordnung ein Verfahren zu erwarten haben, ist er sich sicher: „Mit wird wohl jeder Richter Recht geben.“

Walch fragte sich, welchen Sinn das Ausfüllen dieser Formulare für Durchreisende hat: „Wo ist die Konsequenz? Wer kontrolliert das? Wir haben noch Tausende vom Anfang der Kontrollen im Keller liegen. Da gab es bisher keine einzige Anfrage dazu.“ Einen Sinn mache lediglich die Verpflichtungserklärung für Österreicher, die sich in Heimquarantäne begeben müssen: „Die wird ja auch kontrolliert.“

Der Karawankentunnel, ein fast acht Kilometer langer Grenztunnel zwischen Kärnten und Slowenien, zeigte sich im „Corona-Sommer“ schon mehrfach als Verkehrs-Hotspot hervorgetan. Am Sonntag kam es durch eine Vielzahl von österreichischen und deutschen Kroatien-Rückkehrern, die von rigorosen Kontrollen überrascht wurden, dann zu einer absoluten „Ausnahmesituation“, bilanziert der ÖAMTC.

Bei der Einreise nach Österreich betrug der Stau am Sonntag bis zu 20 Kilometer. Die Reisenden mussten zehn bis zwölf Stunden Wartezeit über sich ergehen lassen, sagte ein Sprecher des Clubs auf APA-Anfrage. Am Samstag hatte die Sache noch anders ausgesehen. Da erreichte die Blechschlange bei der Einreise - noch ohne verschärfte Kontrollen - maximal sieben Kilometer. Richtung Süden staute es sich hingegen bis zu 15 Kilometer weit, die Wartezeit bezifferte der Sprecher mit bis zu zwei Stunden.

Ein zweiter Brennpunkt bei der Rückreise zahlreicher Urlauber, viele davon auf der Durchreise durch Österreich, war am Sonntag auch der Loiblpass, ein 1.368 Meter hoher Alpenpass über die Karawanken zwischen Kärnten und der slowenischen Oberkrain. Weil es sich um einen kleineren Übergang handle, erreichte der Rückstau Richtung Kärnten hier „nur“ bis zu zehn Kilometer. Die Verzögerung betrug bis zu sieben Stunden, so der ÖAMTC.


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