Deutsches Vorbild für SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner in Wien

Kanzlerkandidat Olaf Scholz auf Besuch bei Pamela Rendi-Wagner: Lob für die EU und Kritik an österreichischen Corona-Hilfen.

Demonstrative Einigkeit: Der sozialdemokratische deutsche Kanzlerkandidat Olaf Scholz und SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner.
© APA

Wien – Der deutsche Sozialdemokrat Olaf Scholz hat seiner österreichischen Parteifreundin Pamela Rendi-Wagner mehrerlei voraus: Er ist bereits Kanzler-Kandidat der deutschen SPD. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hingegen muss damit leben, dass ihre Funktion innerparteilich in Frage gestellt wird. Die deutschen Sozialdemokraten sind auch Teil einer – ungeliebten – Koalition mit den Christdemokraten von Kanzlerin Angela Merkel.

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Scholz ist Vizekanzler und Finanzminister. Als solcher nimmt er an einem Treffen mit seinen deutschsprachigen Amtskollegen am Dienstag in Wien teil – auf Einladung von ÖVP-Finanzminister Gernot Blümel. Bereits am Montag traf er seine Parteifreundin Rendi-Wagner. Beide betonten die Bedeutung der EU, eine Krise wie die aktuelle könne nur gemeinsam bewältigt werden. „Wir müssen die Gesundheit gemeinsam verteidigen. Unilateralismus ist nicht das Gebot der Stunde, sondern Kooperation“, betonte Scholz. Das gelte für ganz Europa, man müsse „hören, was die Stunde geschlagen hat“.

Einig sind sich die österreichische Oppositionschefin und der deutsche Finanzminister in ihrer Unterstützung für den Corona-Wiederaufbaufonds der EU.

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„Wirklich vorbildlichen Job als Finanzminister“ geleistet

Weniger zufrieden ist Rendi-Wagner damit, wie die österreichische Regierung auf die Krise reagiert hat. Sie zieht einen Vergleich zu Deutschland. Während der Krise habe Scholz einen „wirklich vorbildlichen Job als Finanzminister“ geleistet. Die Unterstützung für die Wirtschaft in Deutschland sei „groß, unbürokratisch und schnell“ gekommen – im Gegensatz zu Österreich, wo Unternehmen „wochenlang“ auf ihre Mittel warten hätten müssen.

Schließlich blickte Rendi-Wagner auf die frühzeitige Nominierung von Scholz zum Kanzlerkandidaten. „Diese Geschlossenheit, diese Stärke, diese Einigkeit“, meinte sie, sie hätten dazu geführt, dass die „SPD extrem an Vertrauen gewonnen hat“. Die deutsche Bundestagswahl findet voraussichtlich im Herbst 2021 statt. Der reguläre Wahltermin in Österreich ist erst 2024. Dennoch ist auch hierzulande schon Thema, wer die Sozialdemokraten anführen könnte. (sabl, APA)


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