Hitzige Diskussionen um Heizstrahler in Innsbrucker Gastgärten

Die Stadt Innsbruck will beheizte Terrassen in der Gastronomie wieder erlauben. Für Umweltschützer ein „Unding“ und Energieverschwendung.

Seit 2016 ist das Beheizen von Außenbereichen bei Bars und Restaurants in Innsbruck verboten. Der grüne Bürgermeister Georg Willi will es wieder erlauben, um Wirte im nahenden Corona-Winter zu unterstützen.
© iStockphoto

Von Benedikt Mair und Marco Witting

Innsbruck – Als eine von mehreren Maßnahmen gegen den Klimawandel will Frankreichs Regierung ab kommendem Jahr beheizte Außenbereiche bei Bars und Restaurants untersagen. Die Stadt Innsbruck überlegt den umgekehrten Weg zu gehen. 2016 wurden hier Heizstrahler aus Gastgärten verbannt, jetzt gibt es die Überlegung, sie wieder zu erlauben. Wirten soll damit in einem von der Corona-Pandemie geprägten Winter geholfen werden. Umweltschützer sind dagegen, sprechen von Energieverschwendung und sprechen sich für ein tirolweites Verbot aus.

„Die Menschen verstehen jetzt, dass wir in Gefahr sind“, sagte Frankreichs Umweltministerin Barbara Pompili Ende Juli der Tageszeitung Le Monde. Nach der vom Coronavirus ausgelösten Gesundheitskrise drohe eben auch „eine ökologische Krise, wenn wir nichts unternehmen“. Deshalb auch das Verbot der Heizpilze und -strahler, das Teil eines größeren Maßnahmenpaketes zur Reduzierung des Ausstoßes von Kohlenstoffdioxid (CO2) im Land ist.

Grundsätzlich die "größte Energieverschwendung, die es gibt“

Johannes Wahlmüller, Klimaenergiesprecher der Umweltschutzorganisation Global 2000, nennt Heizanlagen im Freien ein „Unding, das in den vergangenen Jahren zugenommen, sich vom Notaggregat auf dem Feuerwehrfest zur festen Installation entwickelt hat“. Wahlmüller unterscheidet dabei nicht zwischen Heizpilzen, die meist mit Gas betrieben werden, und strombetriebenen Heizstrahlern. Die Außenluft zu beheizen, sei ganz grundsätzlich „die größte Energieverschwendung, die es gibt“.

Georg Willi
© Michael Kristen

Sehr wohl differenziert wissen will Georg Willi (Grüne) diese zwei Arten der Beheizung. Während Innsbrucks Bürgermeister fossile Brennstoffe für Heizungen ausschließt, kann er sich durchaus vorstellen, Gastgärten mit elektrischen Öfen zu beheizen. Vergangene Woche wagte Willi einen Vorstoß zur Änderung der Gastgartenrichtlinie. Der Corona-gebeutelten Gastronomie soll auch im Winter ermöglicht werden, die Terrassen zu öffnen und den Bereich dann auch künstlich zu wärmen. Etwas, das in Innsbruck im Dezember und Jänner aktuell nicht erlaubt ist. Die Bedenken der Umweltschützer teilt der Bürgermeister der Landeshauptstadt nicht. „Der Strom in Innsbruck kommt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien“, sagt Willi.

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Der Strom in Inns­bruck kommt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.
Georg Willi
 (Bürgermeister Innsbruck)

Im Gewerberecht steckt der Teufel im Detail

Doch hinter einem Gastgartenbetrieb im kommenden Winter steht dennoch ein Fragezeichen. Im Gewerberecht steckt der Teufel nämlich im Detail. Das städtische Amt muss erst noch diverse Prüfungen machen, ehe die Entscheidung auf die politische Ebene gehoben werden kann. „Nach dem Urlaub“ sollen die Detailfragen geklärt sein, sagt Willi, der die Maßnahme als Unterstützung der Gastwirte sieht und damit im Gemeinderat bisher auf viel Wohlwollen stieß.

Naturgemäß befürwortet die Idee auch Alois Rainer, Fachgruppenobmann der Gastronomie in der Tiroler Wirtschaftskammer. „Wenn wir die Terrassen öffnen, dann müssen wir auch schauen, es für die Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten. Eine gewisse Heiztechnik gehört da dazu.“ Welche das sein könnte, will sich Rainer „noch im Detail ansehen“. Es gebe auch energieeffiziente Alternativen, etwa Heizdecken, die nur dann angehen, wenn ein Gast darauf sitzt. „Wir wollen es so umweltfreundlich wie möglich gestalten, aber ich bin gegen ein kategorisches Nein für die Beheizung des Außenbereichs.“

"Ein Verbot die einzige ­Möglichkeit“

Eine Argumentation, die Global-2000-Experte Wahlmüller nicht gelten lässt. „Wir müssen versuchen, alle möglichen Energiesparpotenziale zu nützen.“ Um dem Phänomen der beheizten Terrassen, das „in den vergangenen Jahren stark zugenommen“ hat, entgegenzuwirken, „ist ein Verbot die einzige ­Möglichkeit“.

Wir müssen versuchen, alle möglichen Energiesparpotenziale zu nützen.
Johannes Wahlmüller 
(Global 2000)

Auch Tirols grüne Umweltlandesrätin Ingrid Felipe schlägt in die gleiche Kerbe. „Einen Vorstoß, die Gewerbeordnung dahingehend abzuändern, dass aus Gastgärten keine ,Heizpilzwälder‘ werden, würde ich selbstverständlich unterstützen.“


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