Unter Flick wurden die Bayern wieder zum besten Team Europas

Bayern-Trainer Hansi Flick hat am Sonntagabend mit dem Champions-League-Triumph Geschichte geschrieben. Der 55-Jährige ist der erste Fußball-Coach, der in nicht einmal zehn Monaten Amtszeit alles gewann, was es zu gewinnen gab. Unter Flick eroberte der Club von ÖFB-Star David Alaba nun zum zweiten Mal nach 2013 das Triple aus deutscher Bundesliga, DFB-Pokal und Europas Königsklasse.

Der Erfolgscoach blieb aber auch in der Stunde seines größten Triumphs gewohnt bescheiden und strich lieber die Leistung seiner Spieler hervor, die ihn wie schon zuvor im Estadio da Luz nach dem 1:0 gegen Paris Saint-Germain mit Würfen in die Luft feierten. „Tausend Dank, Männer! Ich habe noch nie so eine Mannschaft trainiert“, betonte Flick.

Das Final-8-Turnier in Lissabon war ein gelebter Traum für den FC Bayern: 8:2 im Viertelfinale gegen den FC Barcelona und Weltfußballer Lionel Messi, 3:0 im Halbfinale gegen das Sensationsteam von Olympique Lyon, 1:0 im Endspiel gegen Frankreichs Topclub Paris Saint-Germain, der für die Verpflichtung von Neymar und Kylian Mbappe mehr als 400 Millionen Euro überwiesen hatte.

„Danke für das, was wir in den zehn Tagen erleben durften. Ich bin ja schon lange in dem Geschäft: Das war das größte Spektakel, was ich jemals erleben durfte. Ich habe selten einen verschworeneren Haufen erlebt als diese Truppe“, rühmte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge den Triple-Kader in der Nacht auf Montag in seiner Rede im „Penha Longo Resort“. „Wir haben eine komische Zeit erlebt in den letzten drei Monaten, Corona, ohne Zuschauer, das Stadion wäre heute mit Zuschauern explodiert“, sagte der 64-Jährige.

Die Freude der kleinen, lautstarken Bayern-Delegation in der Arena explodierte aber auch so nach dem Kopfballtor von Kingsley Coman in der 59. Minute und erst recht nach dem erlösenden Schlusspfiff. „Es ist ein Traum für uns alle“, schwärmte der überragende Bayern-Tormann Manuel Neuer, der als Kapitän den Pokal als Erster in Händen halten durfte. Flick posierte erst viel später mit dem Objekt der Begierde.

Rummenigge musste seinen Erfolgscoach dann bei der Feier im Teamhotel sogar extra auf die Bühne zitieren. Er zog Flick an sich, umarmte ihn und dankte auch ihm. „Du bist immer so ein bescheidener Mensch. Du hast einen Wahnsinnsjob gemacht, du kannst darauf stolz sein“, betonte Rummenigge.

Flick brachte den Bayern-Kader mit lauter Ausnahmekönnern wieder in die Erfolgsspur. Neuer, der im Finale Neymar und alle anderen PSG-Stars entzauberte, wenn sie vor ihm auftauchten. Robert Lewandowski, der Bayern-Spieler der Saison, der im Endspiel torlos blieb, aber ein Doppel-Triple feiern durfte. Drei Titel mit dem Team und dreimal Schützenkönig in Bundesliga (34 Tore), DFB-Pokal (6) und Champions League (15), den Bewerb, den der 32-jährige Pole nun auch endlich gewann.

„Er ist für uns ein wahnsinnig wichtiger Spieler - wie so viele andere auch“, sagte Flick, der keinen Personenkult mag. Man denke nur an Routinier Thomas Müller, Abwehrchef Alaba, an den wohl zu Liverpool wechselnden Thiago, die 1995er-Generation um Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry oder Niklas Süle und - nicht zu vergessen - den gerade einmal 19-jährigen Senkrechtstarter Alphonso Davies, der nicht nur wegen seiner Position als Linksverteidiger an den jungen Alaba erinnert.

„Ich muss alle loben. Am Ende hat sich jeder einzelne Spieler dermaßen entwickelt. Nur deswegen ist es so zustande gekommen, dass wir dieses Jahr drei Titel einfahren konnten. Das geht immer nur über die Mannschaft“, referierte Flick. Das ist das Erfolgssystem Flick, wie Kimmich sagte. „Die menschliche Seite ist top. Für ihn sind wir nicht nur Spieler, die er für sein System benutzt, sondern er sieht auch wirklich den Menschen dahinter. Das merken wir Spieler und auch die Mitarbeiter“, erklärte Kimmich. Es war bezeichnend, dass Flick nach den 95 aufregenden Finalminuten wie Alaba erst einmal den weinenden Neymar tröstete - statt an sich selbst zu denken.

Flick hat nach der Ablösung von Niko Kovac am 4. November eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen, in der Leistung und ein beispielloser Erfolgslauf entstehen konnten. Kimmich hatte auch im engen Kampf mit Paris „ein wenig das Gefühl der Unschlagbarkeit“. 2020 haben die Bayern kein Spiel verloren, Flicks Pressingfußball ist erdrückend. „Der Haufen ist Wahnsinn, von A bis Z“, schwärmte Müller, der neben Alaba, Neuer, Boateng und Martinez zum bereits zweiten Mal Triple-Champion mit den Bayern wurde.

Jetzt, da die Flick-Bayern mit dem noch dazu stoßenden 50-Millionen-Transfer Leroy Sane vor einer goldenen Ära zu stehen scheinen, erinnerte Flick aber auch an die Anfangszeit mit ihm als Chef und damit sogar mal Platz sieben in der Bundesliga mit sieben Punkten Rückstand auf die Spitze. „Im vergangenen November war zu lesen, dass man keine Angst mehr hat vor der Mannschaft, keinen Respekt. Und wie schlecht die Mannschaft eigentlich ist“, sagte Flick. Die Entwicklung danach sei „einfach sensationell“ gewesen. Der Triple-Baumeister begründete sie ganz einfach: „Es war harte Arbeit!“


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