Von der Schulbank in die Welt: Münchner hat Tischeishockey erfunden

Peter Linden ist der Erfinder des Brettspiels Tischeishockey. Das Spiel ist nicht nur was für die Schulbank. Bei der Weltmeisterschaft sind 56 Spieler im Stubaital zu Gast.

Beim Spiel zwischen Weltmeister Mario Zrinski (l.) und Martin Maly (r.) konnte sich Moritz Linden etwas abschauen.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Manuel Lutz

Neustift – Es fühlt sich an wie ein Ausflug zurück in die eigene Schulzeit. Beim „Schultischhockey“, „Pfitschigogerl“ oder „Schuberln“ – das Spiel hatte von Klasse zu Klasse wohl einen anderen Namen –, wurden mit zwei Federpennalen Tore gebaut, das Lineal fungierte als Schläger, Groschen als Spieler und Ball. Im Marend-Stüberl in Neustift im Stubaital wird in diesen Tagen ebenso fanatisch gespielt wie einst. Jedoch nicht als Zeitvertreib.

Denn aus dem Spiel für unterfordernde Schulstunden entwickelte der Münchner Peter Linden bereits vor über 40 Jahren ein richtiges Spiel: Tischeishockey. Seine Erfindung geht auch auf die Schulzeit zurück: „Ich habe im Unterricht immer extra etwas gebraucht. Da habe ich ein paar Spiele erfunden. Das einzige, das überlebt hat, ist Tischeishockey.“

📽️ Video | 42. Tischeishockey-WM im Stubaital

Gespielt wird dabei auf einem adaptierten Tableau: Wo einst die Griffe waren, sind nun die Tore. Die Oberfläche hat eine eigene, sehr glatte Beschichtung – zum Gläser tragen eignet es sich daher nicht mehr. Der Rand, also die Bande, hat eine Gummibeschichtung. Als Spiel-Utensilien nimmt ein Lego-Verbindungsstück die Funktion des Schlägers ein, 5-Pfennig-Münzen (frühere deutsche Währung, Anm.) sind die Spieler und eine 1-Pfennig-Münze der Puck. Das Set bietet Linden Interessierten zum Verkauf an. „Ich hatte schon zahlreiche Angebote, das Spiel an Spielzeughersteller zu verkaufen. Ich habe jedoch keine Lust auf Kommerz.“

„Ich hatte schon zahlreiche Angebote, das Spiel an Spielzeughersteller zu verkaufen.“Peter Linden 
(Erfinder)
© Foto TT/Rudy De Moor

Einnahmen werden in die jährlich von Linden veranstaltete Weltmeisterschaft investiert, die 42. Auflage wurde bis gestern an acht Schauplätzen im Stubaital ausgetragen. „Das Event geht eine Woche. Wir schauen, dass die Teilnehmer die Unterkunft zu einem sehr moderaten Preis bekommen. Gespielt wird nur an zwei Tagen, in der restlichen Zeit gibt es ein Freizeitprogramm“, so Linden. Zudem wurde für Spieler, die keinen negativen Corona-Test hatten, die Kosten für einen Test hier übernommen.

Denn Sicherheit ist wichtig – immerhin sind 56 Teilnehmer aus den verschiedensten Ländern Europas zu der Veranstaltung nach Tirol angereist. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren zwar ein Rückgang, aufgrund der Corona-Krise jedoch erfreulich. „Normal kommen etwa 120 Teilnehmer. Heuer sind es 56, acht Wildcards (berechtigt zur Teilnahme ohne Qualifikation, Anm.) gibt es für Teilnehmer aus Tirol“, erklärt Linden. Mit dieser Strategie konnten über die Jahre zahlreiche neue Spieler gewonnen und eine große Community aufgebaut werden. „Weltweit spielen etwa 15.000 Leute auf meinem ,Spieltableau‘. Der harte Kern der Community sind 800 Spieler. Die kommen je nach Austragungsort dann auch zu den Weltmeisterschaften.“

So fand auch Mario Zrinski aus Graz die Leidenschaft zum Tischeishockey. Bei einem Hannover-Trip zeigten ihm zwei Freunde das Spiel. „Dann haben sie mich gleich überredet, dass ich bei der Weltmeisterschaft in Schweden mitspielen soll“, erinnert sich der Steirer an die Endrunde vor 17 Jahren. Der Ehrgeiz packte ihn sofort: „Man merkt, dass es kein Glücksspiel ist, es steckt viel Taktik dahinter. Zumeist kämpfen nur zehn Leute um den Weltmeistertitel.“ Bei Turnieren u. a. in Finnland, England, Griechenland und Italien war Zrinski stets dabei. „Es ist total lässig, da man neue Leute kennen lernt und diese auch wieder trifft. Manche haben auch ihren Partner hier gefunden, deren Kinder spielen nun schon mit“, erzählt Zrinski.

Viele sind vor allem wegen der Community dabei, für den Steirer geht es aber um mehr: Nach Tirol ist er als amtierender Weltmeister angereist. Die Mission Titelverteidigung startete für ihn gegen den gebürtigen Polen Martin Maly. „Ich habe davor gegen ihn noch nie gespielt. Es war spannend und auch knapp“, meinte Zrinski nach dem 4:3-Auftaktsieg.

Maly kann mit der Niederlage leben: „Gegen den Weltmeister ist das okay.“ Der im Allgäu lebende Maly kennt das Spiel noch aus seiner Kindheit. „Mein Opa hat es auf einem rechteckigen Feld gespielt.“ Für ihn ist es eine Kombination aus Schach und Billard: „Man muss das Feld gut kennen, es ist sehr facettenreich.“ Als er 2014 durch Linden auf den Geschmack kam, gründete er sofort mit seinem Bruder den polnischen Verband.

Dass es kein Spiel von gestern ist, zeigt sich bei der Begeisterung von Moritz Linden, dem Sohn des Organisators. Der Achtjährige ist der jüngste Teilnehmer, auch er ist hier, um zu gewinnen. Als es eine Niederlage zum Start setzt, muss Papa Peter ihn trösten. Für den Buben ist klar: „Manche Regeln gefallen mir nicht. Nächstes Jahr möchte ich vielleicht eine WM nur für Kinder.“

Im Finale gestern Abend setzte sich übrigens Ole Pflüger aus Oldenburg mit einem 5:3 Sieg erstmals die Weltmeister-Krone auf.


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