Ein Ausrufezeichen, aber kein Selbstläufer für Tiroler DTM-Pilot Auer

Dass Lucas Auer (BMW) die Audi-Dominanz in der DTM durchbrechen konnte, freute den Tiroler. Zu euphorisch wollte der Kufsteiner aber nicht sein.

Lucas Auer triumphierte am vergangenen Wochenende zum ersten Mal mit seinem BMW-Boliden.
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Von Daniel Suckert

Innsbruck – Ganze 378 Tage musste BMW warten, bis man wieder einmal vom obersten Treppchen des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) jubeln durfte. Beim zweiten Lausitz-Auftritt am vergangenen Wochenende war es so weit: Lucas Auer ließ nicht nur seinen Arbeitgeber aufatmen, sondern die gesamte Rennsportserie. Daran gewöhnen sollte man sich aber eher nicht.

Reifenflüsterer: Am Montag saß der „Luggi“ bereits wieder im Auto nach München. Großartig gefeiert wurde der Triumph am Sonntagnachmittag nicht. In München folgte die Nachbesprechung. „Ich habe immer noch eine riesige Freude“, sprudelt­e es aus dem Unterländer heraus. „Das war schon ein Ausrufezeichen.“

An diesem Renn-Tag passte einfach alles zusammen. Das spürte der 25-Jährige gleich von Beginn an: „Schau, Aud­i hat vor allem im Qualifying einen großen Vorsprung. Im Rennen geht es einfach um das Reifenmanagement. Und am Sonntag habe ich sofort nach wenigen Runden gespürt: Die Geschwindigkeit ist da und unsere aggressive Strategie kann uns in die Hände spielen. Ich muss mich noch einmal bei unseren Jungs an der Box bedanken.“

In Runde zehn wurden dem BMW-Piloten neue Pneus aufgezogen, danach ging es darum, ein „Reifenflüsterer“ zu sein. Und das war der im Vorjahr in der Super Formul­a angetretene Auer: „Das war nicht einfach. Du musst dir das so vorstellen: Bist du zu langsam, hängen sie dir hinten im Heck – bist du zu schnell, sind die Reifen dahin und sie reichen dich durch.“ Die Belohnung des rot-weiß-roten PS-Aushängeschilds war das (vorläufige) Ende der Audi-Dominanz.

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Eintagsfliege? An dem Punkt wird es nun kompliziert, denn hat an dem abgelaufenen Wochenende auch alles zusammengepasst, so muss klar sein, dass es in Zukunft nicht immer so laufen kann. Auer: „Noch einmal: Das war ein großes Ausrufezeichen, da ist viel Last abgefallen, aber es ist nicht selbstverständlich. Im Normalfall geht das nicht und das wissen wir. Aber wenn wir regelmäßig an den Top fünf dran sind, können wir viel erreichen.“

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Zukunft: Audi-Dominanz hin oder her – nun darf einmal ein paar Tag­e der Genuss an erster Stelle stehen. Und für die PS-Karriere des ehemaligen Mercedes-Fahrers könnte der Erfolg in der Lausitz viel bewirken. Im Hintergrund werden gerade Cockpits vergeben. Auch in der Formel E. Und da der Grund-Speed des Kufsteiners in allen PS-Serien immer gestimmt hat, darf er sich Chancen ausrechnen.

Nach außen hin hält sich Auer in puncto 2021 (noch) bedeckt. Am kommenden Wochenende geht es auf die Nordschleife, dort wird er das Sechs-Stunden-Rennen in Vorbereitung auf das „24-h-Rennen“ (GT-Masters) am Nürburgring absolvieren.

Zuschauer: Eine Woche später steht das DTM-Gastspiel in Assen an. Erstmals mit Zuschauern, wie zu hören war. „Das wird sicher super. Es ist einfach komisch: Du gewinnst, steigst aus dem Auto aus, und keiner ist da.“ 10.000 pro Tag werden zugelassen sein.

Darunter werden jede Meng­e Auer-Fans sein. Apropos Anhang – selten hat der Tiroler so viele Reaktionen auf einen Sieg bekommen: „Es war der Wahnsinn. Auch bei den Mails. Ich habe so weit nach hinten scrollen müssen, ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Es wird noch etwas dauern, bis ich allen zurückgeschrieben habe.“ Eine Zusatzarbeit, die der Tiroler nach seinem fünften DTM-Triumph aber liebend gerne macht. Und die er auch gerne noch öfter in der Saison machen würde.


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