Gutes Erntejahr entschädigt für Stanzer Kultfest-Absage

„Stanz brennt“ fällt dem Corona-Risiko zum Opfer. Nach teils massiven Einbußen im vorigen Jahrzehnt winken heuer volle Zwetschkenkörbe.

In Stanz holten sich Maria Nothdurfter und Thomas Reheis ein paar Kostproben vom „blauen Gold“.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Stanz bei Landeck – „Wir haben ein überdurchschnittlich gutes Erntejahr“, freut sich der Obmann der Genussregion Stanzer Zwetschke, Stefan Nothdurfter, nach einem Rundgang durch die Ostplantagen im Brennereidorf. Fast überall leuchtet einem „blaues Gold“ entgegen. Die Zunft der 32 Obstbauern in der Genussregion Stanz-Grins-Pians betreut mehr als 17.000 Zwetschkenbäume. Die Ernte hat großteils voriges Wochenende begonnen. „Nicht nur die Menge, vor allem auch die Qualität passt“, bestätigte eine Bäuerin in ihrem Garten.

„Inzwischen ist es uns gelungen, die Stanzer Zwetschke als Wort-Bild-Marke international zu schützen“, erläuterte Nothdurfter. Ab sofort bis Ende September kommen die erntefrischen Früchte in den Lebensmittelfachhandel, zudem sind sie im Ab-Hof-Verkauf zu haben.

Die Region sei heuer vom Klima begünstigt worden, resümiert der Obmann. „Es gab kaum Tropentage, zu viel Hitze wäre schlecht für die Zwetschke. Noch schlimmer wären Frosttage im Frühjahr, wie wir sie in den vergangenen Jahren hatten.“ Die Regenmenge sei heuer „jedenfalls ziemlich ideal“ für das Wachstum gewesen. In der Trockenperiode im März und April habe man die Piezen und Waale zur Bewässerung der Plantagen aktiviert. „Schneearme Winter wären ebenfalls schlecht.“

Wermutstropfen für die Bevölkerung der Genussregion bleibt heuer die Absage des Kultfestes „Stanz brennt“. Man habe keine Alternative gesehen, das Risiko einer Corona-Infektion sei zu groß, sind sich die Obstbauern einig. Aus ihrer Sicht habe die Krise aber auch positive Effekte bewirkt. „Das Bewusstsein für den Wert regionaler Produkte ist gestiegen und steigt weiter“, ist Nothdurfter überzeugt. „Die Leute fragen uns jetzt viel öfter nach den traditionellen Rezepten, etwa wie man Marmelade einkocht oder das Oberländer Kasmus zubereitet.“

In Summe pflücken die Obstbauern der Genussregion heuer rund 300 Tonnen „blaues Gold“. Zwei Drittel davon verwandeln sich in den zahlreichen Brennereien in hochprozentige Spezialitäten. Serviert im hochstieligen Stamperl stoßen Konsumenten gerne auch „auf die Gesundheit“ an. Etwa 100 Tonnen Frischobst kommen dieser Tage in die regionale Vermarktung bzw. in die Regale von Handelsfilialen.


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