Österreicher missbrauchte Buben in Indien - verurteilt

Ein Österreicher, der in Indien zumindest acht Buben mehrfach missbraucht haben soll, ist am Dienstag am Wiener Straflandesgericht zu einer unbedingten Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Der voll geständige Mann nahm das Urteil an. Strafmildernd wirkte, dass der Angeklagte selbst in seiner Jugend in Kinderheimen schwer missbraucht worden ist.

Die Anklage warf dem Mann vor, im Zeitraum vom Herbst 2008 bis zum Herbst 2010 sowie vom Sommer 2011 bis zum Sommer 2012 zumindest acht Buben mehrfach missbraucht und diese Handlungen auch gefilmt und fotografiert zu haben. Die Aufnahmen lud er dann in einschlägigen Foren im Darknet hoch. Der Mann war bei seinem Schöffenprozess (Vorsitz: Richter Philipp Krasa) „voll geständig“.

Der Beschuldigte ging eigentlich nach Indien, um sich dort mit einer Finanzspritze seiner Mutter eine neue Existenz aufzubauen. Nachdem erste Pläne fehlgeschlagen waren, beschloss er, eine Bäckerei aufzumachen und erwarb dafür eine entsprechende Immobilie. Über einen Bekannten kam er schließlich in Kontakt zu seinem ersten Opfer. „Ich habe ihn in der Bäckerei verführt“, gestand der Angeklagte.

Die anderen Opfer, alle zwischen zehn und 14 Jahre alt, stammten aus derselben Sippe des Burschen. „Ich habe ihre Neugierde ausgenützt“, so der Beschuldigte. Die Missbrauchshandlungen, bei denen die Kinder auch schwer gedemütigt wurden, filmte und fotografierte der Mann. Ab 2017, als er wieder in Wien lebte, verpixelte er auf den Aufnahmen sein Gesicht und lud dann laut Anklage 1.883 Bilder und 64 Videos im Darknet hoch.

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Dies wurde dem Angeklagten zum Verhängnis: Das Landeskriminalamt Wiesbaden sichtete das Material und konnte die Fingerabdrücke des Mannes auf den Bildern herausarbeiten. Da der Beschuldigte in Deutschland bereits eine einschlägige Vorstrafe abgesessen hatte, kam man schnell auf seine Spur. Bei der Hausdurchsuchung wurden neben seinen eigenen Aufnahmen auch weitere kinderpornografische Materialien sichergestellt.

Bei seiner Einvernahme war der Mann sofort geständig, er lieferte den Beamten auch die Namen seiner Opfer und gestand weitere Handlungen ein, die nicht auf den Bildern zu sehen waren. Der Beschuldigte verneinte, sich auch nach seiner Rückkehr nach Österreich an Kindern vergangen zu haben. Er habe sich vielmehr „völlig zurückgezogen“ und sei sogar erst um 8.30 Uhr Einkaufen gegangen, da zu diesem Zeitpunkt Kinder in der Schule sind.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten, Ulrich Hiob, wies „nicht als Entschuldigung“ auf die schwere Kindheit des Angeklagten hin. Der Mann war im Alter von einem bis 19 Jahren selbst in Kinderheimen untergebracht und dort schwersten Missbrauchshandlungen ausgesetzt gewesen. Die Übergriffe waren derart massiv, dass die Geschichte des Mannes 20 Seiten im Abschlussbericht über Missbrauch in Kinderheimen der Stadt Wien umfasst.

Diese Tatsache und das reumütige umfassende Geständnis wertete der Schöffensenat auch als strafmildernd. Wobei der Angeklagte trotz seiner eigenen erschütternden Kindheit nicht aus der Verantwortung genommen wurde. „Was können Buben in Indien dafür, dass Sie eine schwierige Jugend hatten?“, argumentierte Richter Karas. Als erschwerend kamen das enorme Ausmaß der Taten und die einschlägige Vorstrafe hinzu. Karas riet dem Angeklagten dringend, auch nach seiner Haftentlassung eine Psychotherapie zu absolvieren. „Nächstes Mal wird die Strafe noch strenger.“

Der Angeklagte legte keine Rechtsmittel gegen das Urteil ein, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Somit ist das Urteil nicht rechtskräftig.


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