Raab zu Angriffen in Graz: „Beispiel für importierten Judenhass“

Integrationsministerin Raab will auf die antisemitischen Angriffe in Graz reagieren. Sie beruft sich auf Studien unter Muslimen.

„Mit der Offensive wollen wir antisemitisches Gedankengut bei Zuwanderern bekämpfen.“ - Susanne Raab 
(Integrationsministerin)
© APA

Graz, Wien – Der 31-jährig­e Syrer, der in Graz die Synagoge beschädigt und den Präsidenten der jüdischen Gemeinde angegriffen hat, ist geständig. Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) stellt die antisemitischen Taten nun aber in einen größeren Zusammenhang und spricht von einem „traurigen Beispiel für importierten Anti­semitismus“. Als Reaktion kündigt sie eine „Offensive“ gegen Antisemitismus unter Zuwanderern und Flüchtlingen an. Ansetzen will sie vor allem bei den Integrationskursen, die Asylberechtigte verpflichtend besuchen müssen. Zudem sollen Personen, die mit Zuwanderern und Flüchtlingen arbeiten, Schulungen erhalten, um Antisemitismus erkennen und bekämpfen zu können. Jüdische Jugendliche sollen Schulen besuchen, um Gleichaltrige über das Judentum aufzuklären.

Raab betont, dass der Antisemitismus unter Zuwanderern „besonders stark ausgeprägt“ sei. Als Beleg nennt sie Studien des Politologen Peter Filzmaier und des Soziologen Kenan Güngör.

Filzmaier und sein Kollege Flooh Perlot koordinierten 2017 eine Studie im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Ziel war, gesellschaftspolitische Einstellungen von Menschen muslimischen Glaubens zu untersuchen. Ein Thema von mehreren war der Antisemitismus. 62 Prozent der befragten Syrer und 54 Prozent der Türken stimmten der Aussage zu, dass „Juden zu viel Macht in der Welt haben“.

Ebenfalls abgefragt wurde das Klischee, dass Israel der Feind aller Muslime sei. Die Mehrheit lehnt diese Aussag­e zwar ab. Gläubige Muslime hingegen stimmen ihr zu knapp 50 Prozent zu.

Ein weiteres Detail: Auf persönlicher Ebene meinen mehr als 80 Prozent der Befragten, sie hätten keine Probleme mit jüdischen Nachbarn.

Perlot betont, dass die Aussagen nicht repräsentativ für alle Muslime in Österreich oder für die einzelnen Gruppen seien. Das sei auch nicht Ziel der Studie gewesen.

Güngörs Studie ergab 2016, dass der Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen signifikant höher ist als bei jungen Menschen mit christlichem Hintergrund.

Raab beruft sich auf diese Studien. Sie will unter Zuwanderern aber weitere Daten sammeln und eine vertiefende Studie zum Thema durchführen lassen. (TT, sabl)


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