Der Corona-Test ist negativ, doch die Quarantäne bleibt

Falsch positive Corona-Tests sorgen für Ärger. Die Quarantäne für Kontaktpersonen ist umstritten. Kritik an Behörden wird laut.

Eine schwangere Frau wurde dreimal negativ und einmal positiv getestet. Trotzdem saß sie in Quarantäne, so wie ihr Freund, der negativ war.
© iStockphoto

Von Anita Heubacher

Innsbruck – Am Montag musste eine schwangere Unterländerin zur Untersuchung ins Spital und wurde routinemäßig auf Corona getestet. Test negativ. Alles gut. Am Freitag musste die Frau noch einmal ins Krankenhaus. Wieder wurde getestet. Dieses Mal war das Ergebnis positiv. Am Samstag und am Montag darauf waren die Tests bei der Schwangeren wieder negativ.

„Es war also höchst wahrscheinlich, dass bei drei negativen Tests der eine falsch positiv war“, erzählt ihr Freund, der anonym bleiben will. Auch er war negativ und trotzdem in Quarantäne. „Wir hatten dringende Arzttermine. Wir konnten nicht einmal den Müll raustragen, nicht in den Keller und schon gar nicht vors Haus gehen.“ Das jung­e Paar lebt in einem Wohnhaus mit mehreren Parteien. Abends kam die Polizei, um die Einhaltung der Quarantäne zu überprüfen. Gestern wurde die Quarantäne nach fünf Tagen und heftigem Intervenieren aufgehoben. Das liege im Ermessen des Amtsarztes, hieß es gestern aus der Landessanitätsdirektion. An und für sich dauert die Quarantäne zehn Tage, bis vor Kurzem waren es 14 Tage. Das junge Paar hat die Volksanwaltschaft eingeschaltet. „Das ist Freiheitsentzug. Wir waren im Behördenwahnsinn gefangen“, meint der junge Mann.

Beschwerden häufen sich

Die Beschwerden über die Quarantäne-Maßnahmen häufen sich. Schon seit mehreren Wochen versuchen Touristiker, die Quarantäneregeln für Kontaktpersonen zu ändern. Wie mehrfach berichtet, schützt ein negativer Test nicht davor, zehn Tage in Quarantäne gesteckt zu werden, wenn man als Kontaktperson der Kategorie 1 identifiziert wird. Mehr als 15 Minuten direkter Kontakt in einem geschlossenen Raum unter zwei Meter Abstand reichen für die Klassifizierung. „Dieses Zeitfenster ist seitens des Gesundheitsministeriums auf Basis der möglichen Inkubationszeit definiert“, erklärt die Landessanitätsdirektion. „Wird eine Person innerhalb dieser zehn Tage symptomatisch, gilt sie als konkreter Verdachtsfall. Im Zuge einer Testung wird schließlich abgeklärt, ob ein negatives oder positives Test­ergebnis vorliegt.“

Das alles gilt nicht für die Landwirtschaft und den Gesundheitsbereich. Dort dürfen negativ getestete Kontaktpersonen weiterarbeiten. Dass es sich die Bauern richten konnten, regt die Touristiker auf. LH Günther Platter will nun beim Bund intervenieren, damit dieser das Kontaktmanagement ändert.

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Ärger über falsch positive Tests

Neben dem Ärger über die Quarantäne kommt jetzt jener über falsch positive oder falsch negative Tests hinzu. Je niedriger die Fallzahlen, desto ungenauer die Tests. Bei einer Infektionsrate von einem Prozent wäre die gemeldete Infiziertenzahl um fast zwölf Prozent zu hoch, liegt die Infektionsrate bei zwei Prozent, waren es laut internationalen Studien immer noch acht Prozent, die falsch positiv getestet würden. In Tirol liegt die Infektionsrate derzeit bei 0,03898 Prozent. Das sind 308 Infizierte bei 755.000 Einwohnern. Rund zwei Drittel der 308 Infizierten sind nicht erkrankt.


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